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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2018
Gott wird Wort
In der modernen Welt vom Unsagbaren reden
Der Inhalt:

Buch des Monats: Chagall, der Europäer

von Norbert Copray vom 21.12.2018
Ein Künstler und seine Kunst für die Humanität

Annette Weber
Chagall
Die Sprache der Bilder. wbg Theiss. Großformat. 352 Seiten. 142 Abb. 99 € (ab 1.2.2019 129 €)

Die Weihnachtswohlfahrtsmarke 2018 trägt den Titel »Mit Licht gemalt – Weihnachten im Kirchenfenster«. Sie zeigt einen Ausschnitt aus den von Marc Chagall geschaffenen Kirchenfenstern von Sankt Stephan in Mainz. Nach der völligen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und dem folgenden Wiederaufbau wurde Sankt Stephan zu einem Symbol christlich-jüdischer und deutsch-französischer Versöhnung.

Der in Russland geborene, im Krieg vor den Deutschen geflohene und schließlich in Frankreich lebende jüdische Künstler Marc Chagall (1887-1985) gestaltete dort von 1976 bis 1985 neun künstlerisch wie theologisch einmalige Kirchenfenster. Zusammen mit den bis 1995 ergänzten Fenstern tauchen sie die Kirche in ein ruhiges, geheimnisvolles blaues Licht, das eine intensive spirituelle Atmosphäre erzeugt. Der Blick geht auf die drei Fenster hinter dem Altar, die von Gottes liebender Zuwendung zum Menschen erzählen. In beeindruckender Weise sind hier Szenen des Alten und des Neuen Testaments miteinander verwoben, wodurch zum Ausdruck gebracht wird, dass der Glaube an den einen Gott Juden und Christen unlösbar miteinander verbindet.

Das Motiv der Maria mit dem Jesuskind findet sich im rechten Chorfenster. Im Hintergrund Marias ist ein Engel zu sehen: die Ankündigung der Geburt Jesu. Im goldgelben Schein, welcher auf Maria strahlt, zeigt sich der Segen, welcher auf ihr liegt. Insgesamt wird die Szene vom gekreuzigten Christus überragt. Seine Erhöhung ist damit schon in den Blick genommen. Man hätte keinen Künstler und keine Kunst finden können, die der europäischen Kultur mit ihren jüdischen und christlichen Wurzeln, mit ihren gewalttätigen, ihren antisemitischen und fremdenfeindlichen Dimensionen, mit ihren verschiedenen Aufbrüchen und Versöhnungsversuchen, mit ihrer Hoffnung und Sehnsucht nach Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit in ihrer Vielfalt und Zerrissenheit gleichermaßen hätten Ausdruck verleihen können.

Mit ihrem ungemein prächtig gestalteten und aufschlussreichen Band »Chagall« bringt Annette Weber das farben- und symbolreiche Werk sowie das Leben des Künstlers sehr nahe. Die oft großformatigen, exzellent reproduzierten Bilder Chagalls haben einen Sog. Sie können leicht darüber hinwegsehen lassen,

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