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Wenn Beten politisch wird

Wie ich als Pfarrer in der Gethsemanekirche die Friedliche Revolution erlebte
von Bernd Albani vom 16.12.2016
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Ein ungewöhnlicher Besuch: Helmut Wiesecke, Chef der »Abteilung Inneres« beim Rat des Stadtbezirkes Prenzlauer Berg, fordert Gehör im Gemeindekirchenrat. Es ist der 2. Oktober 1989. Seine Drohungen gegenüber den Pfarrern waren erfolglos geblieben. Seit dem Morgen stehen junge Frauen und Männer mit brennenden Kerzen vor dem Portal der Gethsemanekirche. Über ihnen ein weithin sichtbares Transparent: »Freilassung der Inhaftierten – Einstellung der Ermittlungsverfahren – Aufhebung der Strafbefehle«. Genosse Wiesecke fordert ultimativ, die jungen Leute sollten sich in die Kirche zurückziehen. Und das Transparent müsse verschwinden. Es sei eine grobe Einmischung in die Belange des Staates, eine politische Forderung. Dazu habe die Kirche kein Mandat. Helmut Wiesecke und seine Begleiterin werden höflich, aber entschieden hinauskomplimentiert, man werde seine Wünsche bedenken. Einer der Kirchenältesten hat die geniale Idee: »Wachet und betet« solle auf dem Transparent stehen. Ja, natürlich: Jesu Aufforderung an die Jünger im Garten Gethsemane!

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