»Auf Menschen verlassen«
Nein, ich bete nicht. Ich habe auch nie einer Kirche angehört. Meine zwei Geschwister und ich – wir sind in Damaskus großgeworden – sind mit viel Güte und Liebe von unseren Eltern erzogen worden. Vom christlichen Glauben haben sie uns nichts erzählt. Bis heute glaube ich nicht, dass Gott existiert. Und vermisse nichts. Meine Kraft schöpfe ich aus meiner Lebenserfahrung, da brauche ich keine Religion und auch kein Gebet. Auch auf der Flucht über das Mittelmeer und dann durch sieben Länder habe ich das so empfunden: Immer wieder konnte ich mich auf Menschen verlassen. Das ist wohl das Wichtigste. Wie auf meinen christlichen Freund Muhannad aus Aleppo. Wir unterstützen uns in Deutschland und haben gemeinsam neue Freunde gefunden. Natürlich, jeder Mensch braucht Sicherheit. Aber die besitzen wir nicht. Wir müssen sie suchen. Mit Muhannad habe ich oft über das Gebet, die Religion gesprochen. Ich finde es gut, dass er so anders ist. Verschiedenheit ist Reichtum. Auch das gehört zu meiner Lebenserfahrung.
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