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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2017
Wie kommt Gott in die Welt?
Ein muslimisch-christliches Gespräch zum Advent
Der Inhalt:

Wunderkind am Rande der Gesellschaft

Roman. Dies ist ein Buch für Menschen, die Antihelden und Rebellen mögen: Der Protagonist William James Sidis, geboren 1898 in New York, ist zwar außerordentlich klug, doch an Höflichkeit oder gar Liebenswürdigkeit ist ihm nicht gelegen. Er sagt seinen Mitmenschen knallhart, was er von ihnen denkt, etwa wenn er sie für profitgierige Ausbeuter hält. Er kommt, wann es ihm passt, und geht, wenn er keine Lust mehr hat. »Genie braucht keine Manieren«, hat sein Vater ihm beigebracht. »Es definiert aus sich selbst heraus, was Anstand ist.«

William Sidis ist keine Erfindung des Berliner Schriftstellers Klaus Cäsar Zehrer, er hat tatsächlich gelebt. Sein Vater Boris Sidis, ein seinerzeit berühmter Psychiater mit Wurzeln in der Ukraine, traktiert ihn schon als Baby mit einer selbst entwickelten Erziehungsmethode. Sidis muss mehrere Sprachen lernen und die Welt um sich begreifen, während er noch in der Wiege liegt. Mit 18 Monaten kann er lesen, mit acht Jahren hat er vier Bücher verfasst. Doch das »Wunderkind von Harvard« bleibt zeit seines Lebens einsam.

Dem munter formulierten Roman »Das Genie« ist anzumerken, dass der Autor Klaus Cäsar Zehrer gründlich recherchiert hat. Seine Darstellung des US-amerikanischen Alltags in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wirkt authentisch und facettenreich. Schillernde Figuren bevölkern den Roman: William Sidis’ Wegbegleiter sind Wissenschaftler, Kommunisten, Frauenrechtlerinnen. Mit Freude verfolgt man ihre Eskapaden. Zehrer, der auch für die Satirezeitschrift »Titanic« schreibt, hält ironische Distanz zu diesem schrägen Figurentheater, nimmt aber seinen Helden ernst in seiner Tragik.

William Sidis wiederum nimmt