Der Boss wird nicht müde
Rock. Ende September wurde Bruce Springsteen 71 Jahre alt. Er scheint jetzt wieder so produktiv zu sein wie in seinen jungen Jahren als Sturm-und-Drang-Dichter aus New Jersey und macht im Akkord Songs, die so klingen wie die von früher. Sein zwanzigstes Studioalbum »Letter to You« erscheint ein gutes Jahr nach »Western Stars«. In New Jersey lebt Springsteen immer noch, tief genug im amerikanischen Herzland, aber noch in Sichtweite zur Elite an der Küste. In Interviews lässt er kein gutes Haar an Trump, aber in den Songs von »Letter to You« hütet er sich vor Slogans. Stattdessen beschreibt er ein Land, das zerrissen ist zwischen dem Misstrauen gegen die da oben und den liberalen Idealen der Gründungsväter, zwischen den harschen Realitäten eines Lebens im Raubtierkapitalismus und der typisch amerikanischen Menschenfreundlichkeit. Die Protagonisten seiner Songs trifft man Freitagabend im Gewerkschaftsbüro, Samstag im Saloon bei einem Glas Whisky und am Sonntag in der Kirche, auch wenn der Glaube an »The Power of Prayer«, so ein Songtitel, bröckelt.
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