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Tief verletzt

Durch den Türspalt sah die jüngere Schwester, wie die ältere Schwester sich Arme und Beine einsalbte. Ihre rechte Körperhälfte war übersät mit blauen Flecken und blutigen Schrammen
von Doris Weber vom 05.10.2012
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Sie wohnen bald neunzig Jahre lang in ihrem Elternhaus zusammen. Die beiden Schwestern, deren Männer aus dem Krieg nicht mehr heimkehrten. Die Jüngere pflegt den Garten, kocht und bügelt, die Ältere macht die Einkäufe und erledigt alle geschäftlichen Formalitäten. Wenn eine der Schwestern das Haus verlässt, verabreden sich die beiden: damit die andere sich keine Sorgen machen muss. »Um zwölf Uhr bin ich wieder da.« Und immer sind sie pünktlich, weil sie wissen, dass jede Minute Verspätung den Blutdruck der anderen in die Höhe treibt.

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