Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2018
Geld sauber anlegen
Wie es geht. Was es bringt. Worauf man achten muss
Der Inhalt:

»Ein Hort für die Leugner des Völkermords«

vom 21.09.2018
Die Übergabezeremonie hat gezeigt: Die deutschen Kirchen müssen ihre Kolonialgeschichte entschiedener aufarbeiten

Es waren deutsche Christen, die den Völkermord an den Herero und Nama zweifellos mitzuverantworten haben. Mit den Nachfahren der Opfer bin ich solidarisch. Deshalb kann ich mich den Worten von Herero-Chef Vekuii Rukoro nur anschließen, die während der Übergabe-Zeremonie in der Französischen Friedrichstadtkirche für einen Eklat sorgten. Rukoro war nicht Teil der namibischen Regierungsdelegation und kam auf eigene Kosten und mit solidarischer Hilfe aus Deutschland. Seine Rede bei der Rückgabezeremonie war erst nicht vorgesehen, konnte dann aber doch stattfinden. Darin kritisierte er auch, dass die Übergabe wieder nicht in den Gebäuden der Bundesregierung stattfinde, »sondern in dieser Kirche, mit der trickreichen Behauptung, dieser Ort sei größer und würdiger«. Er richtete harte Worte an die EKD, die in Namibia auch in der regierungsnahen Zeitung New Era abgedruckt wurden:

»Warum müssen unsere Freunde in der deutschen NGO- und Solidaritätsbewegung, die dafür verantwortlich waren, dass diese Überreste gefunden wurden, draußen vor der Kirchentür bleiben? Während wir Führer der Herero und Nama innen eingeschlossen sind und neben Mitgliedern genau derselben Kirche stehen, die nach eigenem Eingeständnis den Völkermord an unseren Leuten begangen hat? Habt Ihr überhaupt keinen Respekt für unsere Gefühle?«

Erst auf den Druck von Solidaritätsgruppen ist kurz vor der Vollversammlung des Lutherischen Weltbunds in Windhoek/Namibia im Frühjahr 2017 das Schuldbekenntnis der EKD zustande gekommen. In Deutschland wurde nicht groß darüber gesprochen. Dagegen sorgte das überfällige Schuldbekenntnis in Namibia unter der dortigen deutschsprachigen weißen Minderheit für Empörung: Das Bekenntnis könnte von nationalistischen Gruppen benutzt werden, um zu sagen, die Deutschen seien an allem schuld. In einer Umfrage lehnten mehr als achtzig Prozent das Schuldbekenntnis ab.

Auch die Kirchenleitung der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche (DELK), die in Namibia weiße deutsche Gemeinden unterhält, hat sich vom Schuldbekenntnis der EKD distanziert. Bei der Rückgabezeremonie in Berlin war die DELK nicht vertreten, obwohl sie seit 68 Jahren vertraglich personell und finanziell eng an die EKD gebunden und Mitglied im namibischen Kirchenrat ist. Für mich ist das kein partnerschaftliches Verhalten. Doch

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen