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in Memoriam
Der christliche Freigeist

Heiner Geißler
von Wolfgang Kessler vom 22.09.2017
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Ich habe ihn noch genau vor Augen: Auch in hohem Alter kam Heiner Geißler sehr fit daher. Der passionierte Mountainbiker in ihm schien immer durch. Er blickte meist schelmisch in die Runde, machte aber deutlich, dass er auch anders kann. Altersmilde war er nur in Ansätzen. Geißler ist immer ein radikaler Streiter geblieben: als Jesuit, als Jurist, als Minister, als Generalsekretär, als Buchautor – und in den letzten Jahren als Mitglied von attac. Er stritt in erster Linie für Gerechtigkeit, gegen die wachsende Armut, aber auch für eine moderne, zeitgemäße katholische Kirche. »Was würde Jesus heute dazu sagen?« – dieser Frage widmete er Bücher. Wenn er es für richtig hielt, stritt der CDU-Politiker aber auch mit seinen politischen Gegnern: Die Sozialdemokraten bezeichnete er mal als »Kolonne Moskaus«; Pazifisten standen für ihn in dem historisch begründeten Verdacht, Hitler durch ihre Appeasement-Politik erst möglich gemacht zu haben. Er legte sich aber mit Helmut Kohl an – und mit Reichen, die ihre Privilegien auf Teufel komm raus verteidigen. Für Publik-Forum war er in den vergangenen Jahrzehnten ein wichtiger Gesprächspartner auf vielen Foren, auf Kirchen- und Katholikentagen. Der überzeugte christliche Freigeist wird fehlen. Heiner Geißler starb am 12. September im Alter von 87 Jahren.

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