Das Licht kommt von innen
Bereuende Prostituierte sind bei frommen Betrachtern beliebt: Die Reue gleicht sie dem Gläubigen an, er muss keine Angst mehr vor ihr haben, darf sich aber doch an ihrem vorgestellten Vorleben still erfreuen, wenn nicht gar erregen. Das Bildprogramm der büßenden Maria Magdalena bedient mal weniger, mal mehr den voyeuristischen männlichen Blick. Wobei die Gleichsetzung der Maria Magdalena mit einer Prostituierten schon das Produkt männlicher Fantasie ist, für das es keinen Anhalt in den ältesten Berichten über die Frau aus Magdala gibt: Erst Papst Gregor der Große setzte sie Ende des 6. Jahrhunderts mit der anonymen Sünderin gleich, die Jesus nach dem Lukasevangelium die Füße wusch. Und deren »Sünde« stellten die Kirchenmänner sich gerne als Prostitution vor.
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