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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2018
Hitze-Schock
Wie Landwirte und Verbraucher jetzt umsteuern müssen
Der Inhalt:

Sozialprotokoll: Auf trockenem Boden

von Bettina Röder vom 24.08.2018
Warum das für den Landwirt Siegmar Goldammer (52) nichts Neues ist. Ein Besuch bei der Hofgemeinschaft Marienhöhe in Bad Saarow

Siegmar Goldammer ist ein bedächtiger Mensch. Aufmerksam schaut er mit seinen braunen Augen sein Gegenüber an. Sein Gesicht ist von Wind und Sonne gegerbt. Ach, die Sonne! Die gab es in diesem Jahr ja im Überfluss. Alles ist trocken. Auch hier oben auf der Marienhöhe im brandenburgischen Bad Saarow, wo der Landwirt mit seiner Familie in einer Hofgemeinschaft lebt und arbeitet.

Schon als er 13 Jahre alt war, kam er zu Freunden her. Die Gemeinschaft auf dem Hof Marienhöhe hatte es ihm schon damals – das war tiefste DDR-Zeit – besonders angetan. Das ist bis heute so. »Arbeit auf Augenhöhe mit Gleichgesinnten, die tut einfach gut«, sagt er. Etwas anderes käme für ihn aber auch kaum infrage. Und da ist er auch schon mitten in der Natur, bei den Feldern, Wäldern und Tieren hier, für die auch so etwas Ähnliches gilt: Ihre Unterwerfung, sprich Ausbeutung, lehnt er wie auch seine dreißig Mitstreiter der Hofgemeinschaft ab. Das sind Bauern, Gärtner, Schlosser und Menschen, die für den kleinen Hofladen arbeiten. Vor den Fenstern ihrer Häuser wachsen bunte Sommerblumen.

Auf der kleinen Dorfstraße geht’s hinaus auf ein Feld. Eine Rinderherde, die vorbeizieht, wirbelt Sand und Staub auf. Der schwarze Hütehund hechelt. »Auf die Trockenheit ist dieser Hof nicht erst seit diesem Sommer eingestellt. Im Gegenteil«, sagt der Bauer in seinem grünen verschwitzen T-Shirt, das von den Mühen und der Hitze des Tages kündet. Die Marienhöhe mit ihren armen, sandigen Böden, den feuchten Niedermoorwiesen in einem trockenen Kontinentalklima, das war der Grund, warum hier schon 1928 einer der ersten Demeter-Höfe Deutschlands entstand.

Ihr Gründer, der junge Landwirt Erhard Bartsch, wollte es wissen. Sein Plan ging auf und funktioniert bis heute. »Die Marienhöhe, das ist ein lebender Organismus. Alles beeinflusst und bedingt sich, unsere Aufgabe ist es, das zu gestalten. Wichtig ist hier, dass wir versuchen, in Zusammenhängen zu denken«, sagt Goldammer, dessen Frau Katharina die Käserei für den Hofladen betreibt.

Er ist stehengeblieben, weist auf die Hecken, die die Felder säumen. »Die wurden hier angepflanzt, damit der Wind die Böden nicht so austrocknen kann.« Während anderswo bis zu 1500 Milliliter Niederschläge fallen, sind es hier gerade mal 400. Auf diesen eigentlich trockenen Äckern wächst nun auch das Futter für die sechzig Rinder und fünfzig Schweine. »Das ist Ro

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