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Zeugin für das Verlorene

Die US-Autorin Joan Didion ist schon zu Lebzeiten ein Mythos – dank ihres scharfen Blicks auf ihr Land und auf sich selbst
von Anne Strotmann vom 10.08.2018
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Joan Didion gilt als eine der großen Intellektuellen der USA; die Fotos von ihr mit Sonnenbrille, Zigarette und Drink in der Hand sind zweifelsohne ikonisch. Man wollte ihr Gesicht sogar auf Dollarscheine drucken. Als Barack Obama der 1943 geborenen Autorin die »Medal of Arts and Humanities« verlieh, gingen auch diese Bilder ins kollektive Gedächtnis ein: Neben dem vitalen, strahlenden Präsidenten steht da eine dürre, alte Frau mit ernstem Blick, die Mühe zu haben scheint, eigenständig zu gehen. Unter dem Titel »Süden und Westen« sind jetzt bei Ullstein vierzig Jahre alte Notizen von Joan Didion veröffentlicht worden. So etwas geschieht den meisten Autoren nur posthum. Didion, die seit über fünfzig Jahren ihr Land analysiert, skizziert die Stimmung vor allem im Süden der USA so genau, dass Rezensenten meinen, sie habe in diesen Aufzeichnungen das Trump’sche Amerika vorausgesehen.

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