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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2019
Was ist heilig?
Der Inhalt:

Aufgefallen: Samariter in der Wüste

von Dorothea Hahn vom 21.06.2019
Scott Warren rettet Migranten in der Sonora-Wüste in Arizona vor dem Verdursten. Dafür wurde er angeklagt

Scott Warren zieht 2014 in das Städtchen Ajo in der Sonora-Wüste in Arizona, um dort seine Doktorarbeit in Kulturgeografie zu schreiben. Er lebt seitdem an einer der gefährlichsten Migrationsrouten des amerikanischen Kontinents. Nirgendwo längs der Südgrenze der USA sterben mehr Menschen als in dieser Wüste, wo die Temperaturen auf mehr als fünfzig Grad steigen. In den vergangenen zwanzig Jahren sind in der Gegend, in der Warren lebt, die Überreste von mehr als 7000 Migranten geborgen worden. Warren beschließt, aktiv zu werden.

Der 36-Jährige ist ein spiritueller Mann. »Mein Glaube zwingt mich, Menschen in Not zu helfen«, sagt er. Er schließt sich einer Gruppe der United Unitarian-Kirche an. Gemeinsam tragen sie Container mit Wasser, Konservenbüchsen mit Bohnen und Erste-Hilfe-Päckchen in die Wüste. Der Name der Gruppe – No More Deaths – ist ihr Programm: sie wollen Leben retten. Aber oft kommen sie zu spät. Allein Warren hat in fünf Jahren die Überreste von 18 Verstorbenen aus der Wüste geholt.

Nie aber hätte er daran gedacht, dass ihm wegen seines humanitären Engagements eine Haftstrafe drohen könnte. Doch im Januar 2018 wird Warren am Treffpunkt der Freiwilligengruppe verhaftet, zusammen mit zwei jungen Männer aus Honduras und aus El Salvador. Die beiden waren drei Tage zuvor dort aufgetaucht, als Warren gerade einer Schülergruppe seine Arbeit erklärte.

Die Migranten waren dehydriert, hungrig und erschöpft aus der Wüste gekommen. Sie hatten Blasen an den Füßen, einer hustete. Warren holte medizinischen Rat, versorgte die Männer mit dem Nötigsten und erlaubte ihnen, zu bleiben, um zu Kräften zu kommen.

Mehr als ein Jahr später, die beiden Mittelamerikaner sind längst abgeschoben, steht Warren in Tucson vor Gericht. Er ist angeklagt wegen illegaler Beherbergung und Fluchthilfe – Straftaten, die mit bis zu zwanzig Jahren Haft geahndet werden können. Die Vereinten Nationen und amnesty international appellieren, den Prozess einzustellen. Humanitäre Hilfe sei kein Verbrechen. Sie befürchten, dass auch Kirchengemeinden, Zufluchtsorte und Familien ins Visier der Justiz geraten könnten.

Es ist die Jury, die Warren vor dem Gefängnis bewahrt. Acht der zwölf Geschworenen halten ihn für unschuldig. Als er das Geric

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