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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2016
Schenkt ihnen nicht eure Angst!
Wie rechte Populisten die Gesellschaft spalten
Der Inhalt:

Wenn Arbeit krank macht

von Norbert Copray vom 24.06.2016
Sind Belastungen heute größer als früher? Martin Dornes sagt Nein

Martin Dornes
Macht der Kapitalismus depressiv?
Über seelische Gesundheit und Krankheit in modernen Gesellschaften. S. Fischer. 160 Seiten. 15,99 €

Jährlich wird ein Anstieg psychischer Erkrankungen gemeldet. Sozial- und Ökonomiekritiker sehen darin oft eine Folge des Kapitalismus, zumal in seiner aggressiven Turbo-Variante. Immer mehr Psycho-Opfer für den Kapitalismus, heißt es dann in vielen Zeitschriften, Internetportalen, Talkshows und Büchern. Doch trifft das wirklich zu? Nein, stellt der promovierte Sozialwissenschaftler und habilitierte Psychoanalytiker Martin Dornes klar.

Alle, die die Zunahme psychischer Erkrankungen für ihre Kapitalismuskritik nutzen, werden am Studienergebnis von Dornes zweifeln. Doch in seinem Buch »Macht der Kapitalismus depressiv?« stellt der Mitarbeiter des Frankfurter Instituts für Sozialforschung die Resultate seiner langjährigen Forschung über die seelische Gesundheit und Krankheit in modernen Gesellschaften gut nachvollziehbar dar und begründet sie überzeugend. Sein Fazit: Es gibt keine empirischen Belege, die einer genaueren Überprüfung der Aussage standhalten würden, dass psychische Krankheiten zugenommen haben. Was jedoch zugenommen hat, ist »die Sensibilität für Symptome und Syndrome, die früher nicht unter der Rubrik Krankheit wahrgenommen, sondern ignoriert oder als Bestandteil gewöhnlichen Lebensunglücks verstanden« wurden. Zugenommen haben auch die »Krankheitsdiagnosen, was einen ›kulturellen Wandel im Krankheitsverständnis‹ und in der Definition von psychischer Krankheit widerspiegelt«, und eine Ausweitung des Versorgungsangebots.

Ausführlich zeigt Dornes, der bereits mit einem zeitkritischen Buch über »Die Modernisierung der Seele« übliche Denk- und Bewertungsstereotype gegen den Strich bürstete (vergleiche Publik-Forum 12/2012, S. 56), wie in dieser Frage komplexe Probleme unterkomplex betrachtet werden, weil Auslöser und Ursachen nicht hinreichend unterschieden werden. Mit den angeblich ansteigenden psychischen Erkrankungen werde oft eine Form der Gesellschaftskritik verbunden, »die ihre Überzeugungskraft aus einer Verklärung der Vergangenheit bezieht«. Doch so einfach, wie behauptet, waren die 1950er- bis 1970er-Jahre nicht, deren eigene Belastungen Dornes gekonnt auf den Punkt bringt. Und – über das Buch hinaus: We

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