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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2012
Heilsame Netze
Warum wir andere Menschen brauchen
Der Inhalt:

Nur nicht ins Heim?

von Ute Zauft vom 19.06.2012
Zu Hause alt werden, das wünschen sich die meisten Menschen. Doch oft bleibt nur der Umzug ins Pflegeheim. Der kann das Leben auch positiv verändern – manchmal

Gerda Krause ruht. Die 96-jährige Dame ist erkältet und hat sich nach dem Frühstück wieder hingelegt – doch sie ist hellwach. Das Zimmer wirkt wohnlich: schwere Sessel, ein dunkler Sekretär, an der Wand ein Gemälde des Berliner Müggelsees. Seit zwei Monaten bewohnt Gerda Krause ein Einzelzimmer im Pflegeheim des Caritas-Seniorenzentrums Kardinal Bengsch in Berlin. Ob sie sich hier schon zu Hause fühlt? »Das ist kein Zuhause, das ist ein Aufenthaltsort.« Gerda Krause sagt das ruhig, aber bestimmt. Ihre weißen Haare sind ordentlich frisiert. Es ist ihr schwergefallen, ihre Wohnung zu verlassen. Sie wollte nie ins Heim. »Aber«, fügt sie hinzu, »das ist ein guter Aufenthaltsort, an dem man gut betreut wird.«

Die Zahlen sind eindeutig: Laut einer Studie des Instituts für Medizinische Soziologie an der Berliner Charité wünscht sich die Mehrheit der Befragten die Pflege in ihren eigenen vier Wänden, entweder durch Angehörige, durch ambulante Pflegedienste oder durch eine Kombination aus beidem. Nur acht Prozent der Befragten können sich eine Versorgung im Heim vorstellen. »Die meisten älteren Menschen wollen bis zum Ende zu Hause sein und gehen erst ins Heim, wenn die Versorgung in der häuslichen Situation nicht mehr möglich ist«, sagt Manfred Carrier vom Diakonie Bundesverband.

Gerda Krause ist mit ihren 96 Jahren körperlich ausgesprochen fit, doch vor gut zwei Jahren ließen ihre geistigen Kräfte nach. Die Diagnose: Demenz. Die beiden Töchter versorgten ihre Mutter zunächst zu Hause. Erst allein, dann mit Unterstützung eines Pflegedienstes. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung hatte bei Gerda Krause Pflegestufe II anerkannt, dementsprechend übernahm die Pflegekasse Leistungen des ambulanten Pflegedienstes in Höhe von monatlich rund 1000 Euro. Der ambulante Dienst hilft dafür morgens beim Waschen und Anziehen, mittags beim Essen oder kauft ein und sorgt abends für die Inkontinenzversorgung. Alternativ hätte Gerda Krause für ihre privat pflegenden Töchter von der Pflegekasse auch 430 Euro Pflegegeld in Anspruch nehmen oder diese Sach- und Geldleistungen kombinieren können. »Es war ein kompliziert zusammengefügtes Puzzle, damit meine Mutter möglichst wenig allein zu Hause ist«, erinnert sich Barbara Buschmann, die jüngere Tochter. Die beiden Töchter

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