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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2017
Die Tücken des fairen Handels
Im Norden boomt Fair Trade - im Süden wächst die Kritik
Der Inhalt:

Der Weg zurück ins Licht

von Susanne Lohse vom 26.05.2017
Wie Kirchengemeinden Menschen mit Depressionen helfen

Begeistert erklärt Margret Müller Besuchern die Baugeschichte der Andreaskirche in Eningen: das große, bunte Kirchenfenster, die Mosaike, den Grundriss. Dass ihr jegliche Begeisterungsfähigkeit einmal fast verloren gegangen wäre, merkt man ihr nicht an. »Es traf mich wie ein Donnerschlag. Es kam alles zusammen: mein Mann verstarb plötzlich, er wurde tot aufgefunden. Dann kamen berufliche Probleme, ich sollte versetzt werden, wurde krank, suchte Trost im Alkohol«, erinnert sie sich.

Überforderung, Liebeskummer, der Tod eines nahestehenden Menschen, eine schockierende Erfahrung – all dies kann Depressionen auslösen. 350 Millionen Menschen weltweit leiden laut Bundesgesundheitsministerium daran. Depression ist in entwickelten Gesellschaften geradezu eine Volkskrankheit geworden. Statistisch gesehen erkrankt jede vierte Frau und jeder achte Mann einmal im Leben an einer Depression, sagt die Leiterin der städtischen Beratungsstellen in Karlsruhe Cordula Sailer. Erste Anzeichen sind nicht selten Schmerzen, Antriebslosigkeit und Schlafstörungen. »Betroffene sagen, der Geschmack des Lebens ist verloren gegangen, die Freude fehlt, man erledigt nur noch das, was man unbedingt machen muss, ist schwer zu motivieren«, berichtet Sailer.

Die Depression betrifft nicht nur das Gemüt. Auch die Arbeitskraft, das körperliche Wohlbefinden und die Beziehungen zu Mitmenschen leiden. Für Margret Müller war ihr Glaube ein Trost in der Krise, doch manche Gläubige leiden gerade wegen ihres Glaubens. Die Tübinger Ärztin und Theologin Beate Jakob weiß um die wechselseitige Beziehung von Glauben und Depression: »Für manche Menschen ist Glaube, Spiritualität, eine Quelle der Kraft. Für andere ist es so, dass dieser Glaube, den sie als selbstverständlich für sich gelebt haben, mit der Depression entschwindet.« Die Beziehung zu Gott ist weg! Diese schmerzliche Erfahrung ist im Kern jedoch Teil der Erkrankung. »Menschen mit Depressionen leiden sehr unter dieser subjektiv erfahrenen Ferne Gottes. Hinzu kommt, dass sie sich oft selbst schuldig daran fühlen, dass Gott sich ihnen nicht mehr zuwendet«, weiß Beate Jakob.

Bei leichteren Formen der Depression bietet ein soziales Netz bereits gute Heilungschancen, sagt Professor Michael Berner, Leiter der Psychiatrischen Klinik in Karlsruhe. Manchmal fehle den Erkrankten einfach jemand, der ihnen zuhört. »Der effektivste Faktor, lange zu leben, ist, ein so

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