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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2016
Schwierige Schüler
Ausrasten, stören, treten: Ein Fall für die Sonderschule? Eine Lehrerin sagt Nein
Der Inhalt:

Der Letzte Brief (Vorsicht Satire!): Liebe Kassenpatienten,

vom 13.05.2016

als niedergelassener Arzt muss ich leider den Einsparungen im Gesundheitswesen Rechnung tragen. Natürlich beanspruchen meine Privatpatienten einen Großteil meiner Zeit – aber ich weiß, dass die ärztliche Versorgung aufrechterhalten werden muss, gerade in der Fläche. Darum nimmt unsere Praxis an einem Pilotprojekt teil, in das die Krankenkassen, die ärztlichen Abrechnungsstellen, die örtlichen Apotheken und die Facharztkollegen der gesamten Region eingebunden sind. Das vermindert für Kassenpatienten Bürokratie und Wartezeit.

Ein Beispiel: Sie wachen morgens auf und haben Schmerzen. Mittels unserer Handy-App werden erste Symptome abgecheckt. Bei Verdacht auf Schlaganfall oder Herzinfarkt wird der Notarzt alarmiert. Falls nicht, werden Sie zur Terminvergabe weitergeleitet. Ältere Mitbürger, die mit dem Internet nicht vertraut sind, können unsere Telefoncomputer-Hotline nutzen. Die persönliche Anmeldung in der Praxis entfällt, weil alle Daten bereits im System hinterlegt sind. Sie müssen nur noch die Hand in den Robo-Doc stecken. Der Robo-Doc ist ein alter Fahrkartenautomat, den wir von der Bahn günstig erworben und für unsere Zwecke weiterentwickelt haben. Mit einfachster Bedienung kann so der Patient seine Diagnose selbst erstellen. Zusätzlich nimmt der Robo-Doc die Pulswerte und eine Blutprobe. Auf Stuhl- und Urinprobe verzichten wir künftig. Wer lässt schon gerne im Wartezimmer die Hosen runter?

Die Diagnose wird automatisch mit der Apothekenumschau abgeglichen. Der entsprechende Artikel über Ihre Krankheit wird Ihnen ausgedruckt. Bei Bedarf werden Sie an den Facharzt beziehungsweise den dortigen Robo-Doc überwiesen. Rezepte gehen direkt an die Apotheke. Die Medikamente werden nach Hause geliefert. Und Sie bekommen rechtzeitig eine Erinnerung auf Ihr Handy, damit Sie an den neuen Termin denken.

Auch für die zwischenmenschliche Komponente ist gesorgt. Da wir durch Robo-Doc weniger Behandlungszimmer brauchen, haben wir ein kleines Patientenkaffee eingerichtet, betrieben von unseren Arzthelferinnen, die ja sonst auf der Straße stünden. Da können Sie sich dann in Ruhe mit den anderen über Ihre Zipperlein austauschen, während ich mich meinen Privatpatienten widme oder Golf spiele.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Hausarzt Dr. Dr. med.

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