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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2018
Ganz allein
Wie Einsamkeit Mensch und Gesellschaft krank macht – und wie man sie heilen kann
Der Inhalt:

Wie ein Leuchtturm in der Nacht

von Lena Renner vom 27.04.2018
Ein Mensch, auf den man sich verlassen kann, Hilfe bei den Hausaufgaben: Im Kinderzentrum Zellerau in Würzburg erhalten schwierige Jugendliche eine Einzelbegleitung. Vielleicht ihre letzte Chance, einen Weg in den Beruf zu finden

Am Tisch beim Eingang spielen zwei Mädchen im Teenageralter »Vier gewinnt«. An der Wand macht ein Schild klar: »Handyfreie Zone – hier wird zu hundert Prozent gespielt!« Das Kinderzentrum Zellerau ist ein Abenteuerspielplatz im Würzburger Stadtteil Zellerau, der in Teilen als sozialer Brennpunkt gilt. Drinnen im Kinderzentrum gibt es eine Kinderküche, einen Bastelraum und Werkstätten für Experimente, draußen Rutschen, Klettergerüste, Trampoline. Besucht wird es nachmittags von vierzig bis sechzig Kindern, fast alle von ihnen wohnen in der Unteren Zellerau, einem Wohngebiet mit Menschen aus fast fünfzig Nationen und vielen armen Familien.

Sonja kommt fast jeden Tag ins Kinderzentrum. Aber nicht nur zum Spielen. Die 13-Jährige mit Zahnspange und dunkelblonden, zum Pferdeschwanz gebundenen Haaren erhält dort auch dreimal in der Woche eine Einzelbetreuung, pädagogisch-soziale Assistenz (PSA) genannt. Dieses Jugendhilfekonzept wurde im Kinderzentrum Zellerau entwickelt. Es soll Kindern helfen, deren Verhalten oder deren schulische Leistungen befürchten lassen, dass sie keinen Schulabschluss erlangen werden. Bei Sonja, die in Wirklichkeit anders heißt, gab es Zeiten, da hat sie andere Kinder mit dem Messer bedroht. »Viele der Kinder, die hierherkommen, haben ein sehr hohes Aggressionspotenzial«, sagt Ruperta Krieger, Franziskanerin und Leiterin des Kinderzentrums, das vom Sozialdienst Katholischer Frauen getragen wird.

Um 14 Uhr öffnet Sozialpädagogin Ulrike Büdel die Tür zum Besprechungsraum. »Hallo Ulli!«, ruft Sonja, verlässt den Spieletisch und geht mit ihr ins angrenzende Zimmer. Seit vier Jahren treffen sich Sonja und Ulrike Büdel regelmäßig. Sonja kommt dreimal in der Woche für je eineinhalb Stunden. Viel Zeit – bei diesem Angebot aber etwa der Durchschnitt.

Der pädagogisch-sozialen Assistenz liegt ein wohldurchdachtes Konzept zugrunde: Sie beginnt mit einer sechswöchigen Kennenlernphase, in der ein individueller Hilfeplan erstellt und die ersten Ziele festgelegt werden.

Bei fast allen Kindern steht das Thema Schule dabei weit oben. Die Betreuerinnen und Betreuer üben mit ihren Schützlingen, zielgerichtet zu lernen, helfen bei den Hausaufgaben und kämpfen gegen Blockaden. »Die Kinder hier sind ja nicht dümmer als die anderen«, stellt die Sozialpädagogin fest. Viele hätten in den erst

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