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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2019
Und die Demokratie lebt doch!
Schülerstreiks, Bienen-Volksbegehren, Frauenrechte
Der Inhalt:

Und sie bewegt sich nicht

von Britta Baas vom 08.03.2019
Die katholische Kirche hat mit ihrem Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan bewiesen: Höchste Würdenträger sind unfähig, massenhaft verübter sexueller Gewalt einen Riegel vorzuschieben

Es gab tatsächlich Menschen, die sich von diesem Gipfel etwas versprachen. Bischöfe waren darunter. Ganz normale Gemeindekatholiken. Und Opfer von sexueller Gewalt in der Kirche. Bevor die Vorsitzenden weltweiter Bischofskonferenzen Ende Februar im Vatikan zusammenkamen, hatte auch der Papst eine gute Presse. Er hatte diesen Gipfel einberufen. Er wollte das Thema »sexuelle Gewalt« stark und die Lösung des Problems in der Kirche aller Welt sichtbar machen.

Herausgekommen ist fast nichts. »Ein bisschen vage«, nannte der deutsche Bischof Stephan Ackermann, Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz, kritisch, aber diplomatisch das Ergebnis des Gipfels. Man kann es auch weniger diplomatisch sagen: Die römisch-katholische Kirche hat sich als unfähig erwiesen, dem dramatischen Ausmaß des Problems mit einer systemischen Analyse der Kirche zu begegnen. Das wäre aber die Voraussetzung dafür, dass sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche künftig viel häufiger verhindert würden.

Papst Franziskus, den es offenbar geradezu anekelt, wie sich geweihte Männer weltweit verhalten, hatte auf die Herausforderung als Führungskraft der Kirche keine weiterführende Antwort. Es blieb bei dem Versprechen, künftig härter durchzugreifen, Missbrauchsfälle aufzudecken, zu ahnden, mit weltlichen Gerichten zusammenzuarbeiten. Sicher alles richtig. Doch was sich innen, im Herzen der Kirche, ändern müsste, kam nicht zur Sprache. In seinem Schlusswort zum Gipfel geißelte er »die Werkzeuge Satans« – gemeint waren Priester –, die über unschuldige Kinder herfielen. Diese Werkzeuge müssten stillgelegt werden; in ihnen offenbare sich »das Böse«.

So weit, so schlecht. Denn mit dem Konzept des Dämonisierens von Menschen, des Abspaltens von Sündenböcken, ist kein Kirchenstaat zu machen. Auch Franziskus wiederholt das alte Muster, wonach die Kirche eine »societas perfecta« ist, die lediglich ab und an eine Putzkolonne anheuern muss, die den Schmutz aus den Ecken zu wischen hat.

Doch die Probleme reichen tiefer. Zu fragen ist, warum im System Kirche weltweit so viele Männer in priesterliche Funktionen kommen, die mit ihrer Macht und ihrer Sexualität nicht menschenwürdig umzugehen wissen. Offenbar zieht die Kirche »Menschen aus Risikogruppen« an. »Sexuelle Tabus blockieren notwendige Klärungs- und Reifungsprozesse« und die »Aussicht auf M

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