Konflikt in Warschau
Oralsex mit dem 2014 heiliggesprochenen, polnischen Papst Johannes Paul II., Missbrauch von Minderjährigen durch Priester – das Warschauer Allgemeine Theater legte es bewusst auf einen Skandal an, als es den bosnischen Regisseur Oliver Frljic bat, ein Stück auf der Basis des Dramas »Der Fluch« (Klatwa) zu inszenieren. Frljic, geboren 1976, ist Intendant des Kroatischen Nationaltheaters in Rijeka und bekannt für politisch provokante Arbeiten. Am Bayerischen Staatsschauspiel inszenierte er 2015 das Stück »Balkan macht frei«. Polens nationalkonservative Regierungspartei PiS und die mit ihr verbundenen Teile der Kirche laufen Sturm gegen das Stück. Das Allgemeine Theater entgegnet: »In einem Moment, in dem die Union zwischen Kirche und Staat als untrennbar erscheint und die Kirchenorgane versuchen, die Funktion staatlicher Institute und die Entscheidungen des Einzelnen zu beeinflussen, prüfen die Macher unseres Spektakels, ob noch Widerstand gegen solche Mechanismen möglich ist.« Das Theater wird von der Stadt Warschau finanziert. Dort regiert bisher die liberale Opposition. Über 30 000 Unterzeichner forderten unterdessen binnen weniger Tage in einer Onlinepetition von PiS und Kirche das Aus für den Theaterchef.
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