Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2012
Ich glaube
Der Konflikt um das Bekenntnis der Christen
Der Inhalt:

Den Dampf rauslassen

von Bettina Röder vom 04.05.2012
Wie der Konflikt zwischen Teheran und Israel entschärft werden könnte. Vorschläge von Atomexperten

Leider dominiert wieder die Peitsche«, sagt Hans Blix, der einstige Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Die jüngst verhängten einseitigen Sanktionen gegen den Iran machen ihm Sorge. Ebenso wie die demonstrative US-Militärpräsenz im Persischen Golf vor den Toren Irans. Nicht, weil er besondere Sympathie für das Regime Ahmadinedschad hätte. Im Gegenteil. Er weiß sehr wohl um die Gefährlichkeit des Diktators, der wieder und wieder Israel mit Vernichtung bedroht.

Doch Konfrontation ist für den schwedischen Diplomaten kein Ausweg. Er schlägt stattdessen vor, einen Weg der Entspannung zu gehen: die von der UNO beschlossene Konferenz für eine massenvernichtungsmittelfreie Zone im Mittleren und Nahen Osten müsse umgehend einberufen werden, sagt Blix, auch wenn sie Israel und der Iran zunächst boykottieren sollten. Er schlägt als ersten Schritt einen regionalen Lösungsweg vor: dass sämtliche Staaten auf ihre Urananreicherung verzichten, Israel von der Atombewaffnung absieht und dem Iran Unterstützung bei der friedlichen Nutzung der Atomenergie gegeben wird.

»Damit wäre zunächst sicher Dampf aus der Geschichte raus«, meint der Atomexperte Sebastian Pflugbeil, wohl wissend, dass es davon noch meilenweit entfernt ist. Atomwaffen, so erinnert er, sind immer Angriffs- und keine Verteidigungswaffen. Genau da sieht er aber auch »ein großes Problem«: Im Unterschied zu Israel, aber auch zu Pakistan und Indien hat der Iran den Atomwaffensperrvertrag unterschrieben. Eindeutig konnte man dem Land bislang nicht nachweisen, dass es Atomwaffen besitzt oder baut. Im Unterschied zu Israel: »Dort gibt es mehrere Hundert Atomwaffen, die seit Mitte der 1960er-Jahre gebaut wurden«, sagt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Strahlenschutz. »Wenn man sich überlegt, mit welchen drakonischen Mitteln Israel versucht, das bis heute geheim zu halten, ist das einfach absurd.«

Er erinnert an den Fall des israelischen Nukleartechnikers Mordechai Vanunu, der Mitte der 1980er-Jahre die englische Presse darüber informierte, dass die Israelis Atomwaffen bauen. Vanunu wurde vom Geheimdienst Mossad entführt und zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er 11 Jahre in Isolationshaft saß. Bis heute steht er unter Arrest, darf mit keinem Diplomaten oder Journalisten sprechen, was er immer wieder unterläuft und dafür ins Gefängnis

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen