Es sind Frauen, die dafür sorgen, dass das Leben weitergeht

Evangelischer Buchpreis. Hanna Krause hat fast ein ganzes Jahrhundert erlebt: Nazideutschland und die DDR, gute und schlechte Zeiten. Vor allem aber liebt sie Blumen.
Der Roman »Schwebende Lasten« nähert sich der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts nicht über »große Männer«, sondern über eine Magdeburger Arbeiterin. Deren Alltag zeigt, dass es oft Frauen sind, die dafür sorgen, dass das Leben weitergeht. Hanna verliert Kinder, ihren Blumenladen, ihr Zuhause, den Glauben an Gott, allerlei Sicherheiten. Doch immer wieder richtet sie sich neu ein, während um sie das 20. Jahrhundert tobt. Sie ist keine Widerstandskämpferin, aber auch keine Opportunistin. Doch sie versucht, anständig zu bleiben.
Annett Gröschner muss gut recherchiert haben, denn sie schreibt mit großer Genauigkeit für das Milieu, in dem Hanna Krause lebt. Ihre Sprache ist unprätentiös, aber aufmerksam für Zwischentöne. Helden und Schurken findet man im Roman nicht. Stattdessen erkundet er empathisch die Lebenswirklichkeit gewöhnlicher Menschen. Das ist oft herzzerreißend, aber auch ermutigend: Es ist möglich weiterzuleben, auch wenn die Lasten der Vergangenheit schwer wiegen.
Annett Gröschner bekommt für »Schwebende Lasten« den Evangelischen Buchpreis 2026. Die Jury würdigte die politische Kraft des Romans, da er zeige, »dass Geschichte nicht nur von Systemen und Machtverhältnissen geprägt wird, sondern von vielen unsichtbaren Entscheidungen gewöhnlicher Menschen.« Hanna Krause stehe dabei stellvertretend für viele Frauen, die keine Stimme erhalten. Die Verleihung ist am 20. Mai in Nürnberg.
Annett Gröschner: Schwebende Lasten. C.H. Beck. 282 Seiten. 26 €




