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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2020
Geht doch!
Der Synodale Weg der katholischen Kirche
Der Inhalt:

Buchbesprechungen

vom 14.02.2020

Matthias Lohre
Das Opfer ist der neue Held
Gütersloher Verlagshaus. 288 Seiten. 22 €

Es gab Zeiten, da mochten Menschen nicht als Opfer bezeichnet und als schwach verachtet werden. Bekannten sie sich gleichwohl dazu, dann aus einem positiven Ansporn, etwas persönlich oder gesellschaftlich ändern zu wollen. Die »neuen« Opfer, so beobachtet der Berliner Journalist Matthias Lohre, würden ihr Selbstwertgefühl demgegenüber negativ aufladen, indem sie sich an echtem oder vermeintlichem Leid festklammern und vereinen – moralisierend, intolerant, hassend, gewalttätig gegenüber Dritten. Selbst einflussreiche Leute stilisieren sich erfolgreich zu Ohnmächtigen. Letztlich brächten sie sogar stabile Gesellschaften ins Wanken, sobald die Parole »Wir und Die« über »Wir gegen Die« zu »Wir oder Die« zugespitzt werde. Das Phänomen, wie aus einer stillen Außenseiterrolle eine laute Zentralfigur wurde, erklärt Lohre historisch mit Bildern vom »Opferlamm« und »Sündenbock«. Die »Gezeitenwende« markiert er 1980, als die Diagnose »Posttraumatische Belastungsstörung« in den Leitfaden psychischer Störungen aufgenommen wurde. Dadurch versuchte die Psychiatrie ihren Patienten so gerecht zu werden wie nie zuvor. Andererseits erlaube diese Diagnose, den Begriff Trauma im Alltag zu banalisieren, weil mittlerweile jeder den Grad seines Leidens selbst bestimme. Zeitgeist bleibt, wie er damit umgeht. Ernst Rommeney

Michael Steinbrecher
Der Kampf um die Würde
Herder. 254 Seiten. 22 €

Mit Respekt, Anteilnahme und Empathie begegnet der Moderator Michael Steinbrecher in der Talkshow »Nachtcafé« seinen Gästen. In aller Regel kommen ganz normale Menschen zu Wort, deren Leben aus den Fugen geraten ist, die beispielsweise auf dem Wohnungsmarkt, im Krankenhaus, im Altersheim oder auf dem Arbeitsamt »täglich um ihre Würde kämpfen«. In seinem Buch greift er einige Themen und sie repräsentierende Biografien auf, unterfüttert sie mit Expertenwissen und versucht herauszuarbeiten, welche Gründe es für diesen Würdeverlust gibt. Sein Resümee: Es gibt keine Chancengleichheit, die Schwachen werden gegeneinander ausgespielt, das Menschenrecht auf Wohnen wird nicht durchgesetzt. Doch weshalb ist das so? Hier schwächelt der Autor. Er sieht zwar Webfehler im System, aber er r

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