Tragen Sie heute Gucci oder Christentum?
Religiöse Kleidung irritiert und überrascht. Sie wirkt anachronistisch und ist gleichzeitig »in Mode«. Aber was ist eigentlich religiöse Kleidung? Während ich darüber nachdenke und sich ein Schreibstau andeutet, beschließe ich, einen Feldversuch zu unternehmen. Ich gehe also aus meinem Büro hinaus in die pulsierende Großstadt. Die erste Person in religiöser Kleidung, auf die ich treffe, ist eine ältere römisch-katholische Ordensfrau. Sie trägt flache Schuhe, einen knielangen Rock und einen Schleier. Ich mustere sie genau, und auch einige der anderen Passanten schauen ihr nach. Etwa zehn Minuten später begegnet mir eine Gruppe jüngerer Musliminnen. Sie sind elegant angezogen, tragen bunte Kopftücher und modische Tuniken. Auch sie fallen den anderen Passanten auf. Ich meinerseits halte, beflügelt von den zufälligen Begegnungen, nach buddhistischen Mönchen, Hare-Krishna-Anhängern oder Sikhs Ausschau. Vergebens.
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Anna-Katharina Höpflinger, geboren 1976, ist Religionswissenschaftlerin und arbeitet an der Ludwig-Maximilians-Universität München
