Editorial
Das Rätsel Zeit, die Lage in Venezuela und der wirklich letzte Letzte Brief

Liebe Leserin, lieber Leser,
die Zeit ist eine merkwürdige Angelegenheit: Noch nie hatten wir so viel von ihr, und doch herrscht Zeitnot allerorten. Zu Beginn dieses Jahres steigt der Theologe und Philosoph Godehard Brüntrup ganz tief ein ins»Rätsel Zeit«: Wenn es einen Gott gibt, der schon weiß, wie es ausgehen wird mit uns – wie kann dann der Mensch frei sein in seinen Entscheidungen? Wie Brüntrup – mithilfe der Quantenphysik – zu der These kommt, dass nicht einmal Gott die ungeschaffene Zukunft wissen kann, das lesen Sie in seinem spannenden Essay.
Dieses grundsätzliche Nachdenken gehört zum Kern unserer Arbeit. Aber auch, dass wir die aktuelle Weltlage reportieren, analysieren und kommentieren. In dieser Ausgabe schreibt die iranisch-deutsche Journalistin Negin Behkam über die Proteste in Iran, über Menschen, die um der Freiheit willen ihr Leben riskieren. Martin Maier, der Chef des katholischen Hilfswerks Adveniat, analysiert die Lage in Venezuela: Der Machthaber Maduro ist weg, die Angst der Menschen aber bleibt, weil nach wie vor das alte Regime herrscht und Donald Trump nicht die Demokratie stärken, sondern nach den Bodenschätzen des Landes greifen will.
Am 15. Januar 1982 stand in Publik-Forum: »Heiter, oft satirisch soll es künftig auf der letzten Seite jeder Publik-Forum-Ausgabe zugehen« – der »Letzte Brief« war geboren. 44 Jahre lang tat er seinen Dienst, ging an Päpste, Präsidenten, kleine Leute und den lieben Gott persönlich. Nun verabschiedet er sich mit einem wirklich letzten Letzten Brief. Die Form hat sich überholt, finden wir, und es ist besser, sich von ihr zu verabschieden, bevor alle sagen: Das ist aber gar nicht mehr lustig! Künftig wollen wir auf der letzten Seite auf ein besonderes Zitat aus dem jeweiligen Heft hinweisen, als kleine Weisheit auf dem Weg. Und für alle, die das Heft von hinten lesen: als Appetitmacher auf das, was kommt. Der Humor jedenfalls soll uns nicht abhanden kommen.

Wenn Sie sich über das Papier wundern, auf dem diese Ausgabe gedruckt ist, dann liegen Sie richtig: Schnee und Eis haben eine Papierlieferung zu unserer Druckerei verhindert. So musste man dort mit unterschiedlichen Papierrollen arbeiten. Aber: Es kommt ja auf den Inhalt an.
Ein – wie auch immer – gutes neues Jahr 2026 wünscht
Matthias Drobinski ist Chefredakteur von Publik-Forum.
Foto: ute Victor





Heiner Hollatz 13.02.2026:
Das Beste kam immer zum Schluss! Für mich kam die letzte Seite immer zuerst. Und nun? »Es gibt nur ein’ Rudi Völler« – und für mich nur einen letzte Briefeschreiber! Mein Wunsch: Bitte lassen Sie ihn weitermachen als Rentner mit Hinzuverdienst. Ich würde mich an den Mehrkosten für ihn beteiligen!
Volker Zimmermann 13.02.2026:
Mit großer Enttäuschung habe ich gelesen, dass die letzte Seite Ihrer Zeitschrift neu gestaltet werden soll und die überragende, humorvolle Satire der Vergangenheit angehört. Nun, es ist natürlich klar, dass auch die dafür verantwortliche Person mal irgendwann in den Ruhestand geht und man vielleicht nicht leicht Ersatz findet. Sehr entschieden muss ich aber Matthias Drobinski und seinem Editorial widersprechen: Nein, für mich hat sich diese Form nicht überholt, diese Seite war im Gegenteil immer das, was ich mit hoher Erwartung als Erstes gelesen habe und so gut wie nie bin ich enttäuscht worden. Wenn es also am Willen der Redaktion liegt und nicht an fehlenden Leuten: Hier irren Sie aus meiner Sicht gewaltig. Bitte lassen Sie diese Seite, wie sie ist. Ich brauche und möchte kein Zitat aus einem Beitrag oder so etwas Ähnliches, ich hätte gerne weiter so kreative Inspiration wie bisher. Etwas ähnlich Gutes finde ich sonst nicht.
Hans Kropatscheck 13.02.2026:
Wenn Pubik-Forum im Briefkasten ist, dann war – vor Beginn des Mittagsschlafes – die erste Lektüre: Der letzte Brief. Und nach dem Mittagsschlaf habe ich ihn (wenn er – wie meist – witzig war) meiner Frau beim Kaffee vorgelesen. Und jetzt die Hiobsbotschaft: Es wird ihn nicht mehr geben – den »letzten Brief«. Erst dachte ich: ein netter Einfall mit der Flaschenpost. Aber dann im Vorwort: Es wird ihn tatsächlich nicht mehr geben. Wie schade!
Hiltrud Bibo 13.02.2026:
Lieber Letzter Brief, dein Abschied hat mich sehr geschmerzt. Du warst nämlich – trotz deines Namens – immer das ERSTE, was ich im neuen Heft gelesen habe. Ich bin nun mal Satirefan. Ich werde Dich sehr vermissen, auch wenn Du manchmal nicht so gut drauf warst. Ich hoffe, die Redaktion findet eine adäquate und nicht zu dröge Nachfolge für Dich. Liebe Grüße und gute Reise.
Angelika Plathner-Feneis 13.02.2026:
Man hat geschmunzelt, hat gelacht,es war stets auf den Punkt gebracht!Drum fällt das Abschiednehmen schwer, Du, letzte Seite, fehlst mir sehr!Abschied von der letzten Seite!
Georg Lechner 21.01.2026, 18:04 Uhr:
Dass Gott die Zukunft im voraus weiß, ist ein schrecklicher Unfug, der sich aus der Allwissenheitsbehauptung ableitet, die eine menschiche Projektion und damit letztlich ein Verstoß gegen das Bilderverbot (Exodus 20, 4) ist.
Ein Gott, der alles weiß, müsste angesichts der menschlichen Dummheiten und Gemeinheiten verzweifeln.
Darum halte ich es lieber mit dem frommen Dadaisten Hugo Ball und seinem Gottesverständnis als Freiheit der Geringsten in der Gemeinschaft aller.