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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2019
Revolution
Die Welt ist in der Krise. Ein Umbruch ist nötig. Nur welcher?
Der Inhalt:

»Wir sind wie Feuerwehrmänner«

von Karin Finkenzeller vom 11.01.2019
Philipp Külker will Menschen vor dem Ertrinken im Mittelmeer bewahren. Das Schiff wurde beschlagnahmt

Ich will Menschen aus Seenot retten, aber man lässt mich nicht. Kurz bevor ich mich im August 2017 mit dem Schiff, einem ehemaligen niederländischen Fischkutter des Berliner Netzwerks Jugend Rettet e. V. von Sizilien aus in Richtung Libyen auf den Weg machen wollte, wurde unsere »Iuventa« von den italienischen Behörden beschlagnahmt: unter dem Verdacht, wir würden mit Menschenschmugglern zusammenarbeiten und eine kriminelle Organisation gründen. Das ist totaler Quatsch. Ich arbeite für Jugend Rettet nicht, weil ich gemeinsame Sache mit Schleusern machen will, sondern weil wir als eine Art Hilfsfeuerwehr eine Aufgabe übernehmen, bei der die Mitgliedsländer der Europäischen Union versagen.

Doch anstatt unsere Kraft und Spendengelder darauf zu verwenden, das Sterben im Mittelmeer zu verhindern, müssen wir uns seit mehr als einem Jahr mit Gerichtsverfahren herumschlagen. Und uns darauf vorbereiten, dass einige unserer Crew-Mitglieder von der italienischen Justiz angeklagt werden. Das macht mich zornig. Auch weil die Iuventa durch viele kleine individuelle Spenden von Leuten gemeinsam getragen wird, die unsere Arbeit gutheißen.

Dass Schleuser am Leid anderer ihr Geld verdienen und dann auch noch zynisch an seetauglicher Ausrüstung und an lebensnotwendigem Kraftstoff sparen, finde ich fürchterlich. Aber das darf uns nicht davon abhalten, geflüchtete Menschen vor dem Ertrinken zu retten.

Die Iuventa war in den Jahren 2016 und 2017 insgesamt 14 Mal zwischen Italien und Libyen unterwegs. An Bord war Platz für bis zu 250 Menschen. Wer schon einmal an einer solchen Mission teilgenommen hat, weiß, dass sie physisch, aber vor allem psychisch sehr belastend ist. Und dann wird man auch noch kriminalisiert! Wenn ein Feuerwehrmann in ein brennendes Gebäude geht, um dort jemanden herauszuholen, dann kriminalisiert man ihn hinterher auch nicht. In einer ähnlichen Position sehen wir uns in diesem Akt des Rettens vor dem Ertrinken.

Die europäischen Regierungen müssen Verantwortung für eine funktionierende Seenotrettung übernehmen. Und dann müssen sich die tatsächlichen Umstände in den Herkunftsländern ändern. Natürlich wäre es am besten, die Menschen müssten ihre Heimat gar nicht erst verlassen. In ihren Heimatländern gibt es genug Leute, die etwas ändern wollen. Aber es scheitert sehr häufig am Geld oder an der Aufmerksamk

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