Weihnachtsgeschenke online kaufen?
Jens Klein: »Ja! Das unterstützt faire Alternativen«
»Online-Shopping ist kein Synonym für die Schnäppchenjagd bei Amazon! Kleine Anbieter wie ich, die mit viel Leidenschaft und Idealismus Alternativen zum Mainstream geschaffen haben, sind regelrecht darauf angewiesen. Wie sonst sollte ich fair gehandelten Kaffee aus Nicaragua verkaufen? Ob fair produzierter Silberschmuck aus Mexiko oder nachhaltige Jeans aus Süddeutschland – online finden wir Konsumenten Produkte, die wir in vielen Fußgängerzonen leider vermissen. Ich verstehe meinen eigenen Online-Shop nicht als Angriff auf den stationären Einzelhandel. Er ist vielmehr der Versuch, den Weg zu ebnen für Produkte, die anders und besser sind als das bisherige Sortiment vieler Geschäfte. Wir wollen online Kunden gewinnen, um damit offline den Handel zu verändern. Mein Plädoyer lautet daher: Kaufen Sie online – und sprechen Sie darüber mit Ihrem Händler um die Ecke.
Die Frage des Transports allerdings treibt auch mir als Versandhändler Sorgenfalten auf die Stirn. Die Arbeitsbedingungen in der Logistikbranche sind prekär. Doch das Problem sind nicht die Jobs an sich, sondern Stress, Bezahlung und Umweltauswirkungen. Diesen Herausforderungen sollten wir nicht mit dem pauschalen Verzicht auf Online-Einkäufe begegnen, sondern mit einer starken Lobby für Mensch und Umwelt. Denn auch die Waren in den Auslagen der Geschäfte von Aurich bis Zweibrücken müssen irgendwie dort hingebracht werden.
Der tatsächliche Fußabdruck eines Produkts lässt sich nicht an den letzten hundert Kilometern Transportweg festmachen. Ist Cola ein nachhaltiges Produkt, weil sie regional abgefüllt und auf kurzem Weg in den Supermarkt nebenan transportiert wird? Jeder einzelne Artikel im Regal oder im Online-Warenkorb hat eine komplexe Geschichte zu erzählen. Der Weihnachtseinkauf ist die richtige Gelegenheit, sich damit zu beschäftigen.«
Gabriele Schäfer: »Nein! Das zerstört die Innenstädte«
»Wenn immer mehr Menschen online einkaufen, fließt das Geld meist in große Online-Konzerne wie Amazon statt in kleine Familienunternehmen wie meine Buchhandlung. So werden die Online-Riesen immer größer und einflussreicher, während die kleinen Läden schließen müssen. Das ist ein großer Verlust für die Innenstädte, die mit jedem Geschäft, das dichtmacht, an Vielfalt und Lebendigkeit verlieren. Denn diese Läden bieten oft auch kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen und Buchvorstellungen an.
Online-Händler setzen mit ihren Dumpingpreisen kleine und mittelgroße Unternehmen immer weiter unter Druck. Das geht auch zulasten von Paketauslieferern und der Umwelt. Denn durch die steigenden Paketzahlen werden die Lieferdienste bis an den Rand der Belastungsgrenze gebracht. Das führt zu unzuverlässiger Paketzustellung, sodass die Kunden ihre Pakete letztlich oft selbst bei der Post abholen müssen. Zudem werden meist billige ausländische Arbeitskräfte angestellt, die unter miserablen Arbeitsbedingungen schuften. Und die Umwelt wird auch noch belastet: durch lange Transportwege, große Mengen Verpackungsmüll und dadurch, dass viele Unternehmen Waren zerstören, die zurückgesandt werden, weil dies für sie kostengünstiger ist. Das verschwendet Ressourcen.
Für mich ist das völlig unverständlich, denn der Einkauf vor Ort hat doch große Vorteile. Viele Kunden schätzen die besondere Atmosphäre und die fachkundigen Händlerinnen, die mit großer Kompetenz individuell beraten. Online ist das ausgeschlossen. Vielmehr ist man gezwungen, beim Einkauf seine Daten preiszugeben. Wer direkt im Laden kauft oder bestellt, für den entfallen Versandkosten und lange Lieferzeiten. Auch wenn man beispielsweise ein Buch vor dem Kauf einmal ansehen und in der Hand halten möchte, ist das vor Ort kein Problem.«
Gabriele Schäfer, geboren 1961, ist Inhaberin der Buchhandlung Bücher-Bosch, ein Familienunternehmen in Bonn-Bad Godesberg.
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