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Israel-Konflikt: Krieger in der Sackgasse

Israel will in seiner großen Mehrheit keinen Frieden: Das sagt der kritische Tel Aviver Soziologe und Professor für Geschichte und Philosophie, Moshe Zuckermann. Denn der Preis für die international längst akzeptierte Zwei-Staaten-Lösung gilt der großen Mehrheit der Israelis als viel zu hoch
von Thomas Seiterich vom 24.07.2014
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Israels Armee, palästinensische Kämpfer: »Religion wird instrumentalisiert, um den bestehenden Hass noch mehr zu forcieren«, sagt Moshe Zuckermann. (Foto: Arne List/Wikipedia)
Israels Armee, palästinensische Kämpfer: »Religion wird instrumentalisiert, um den bestehenden Hass noch mehr zu forcieren«, sagt Moshe Zuckermann. (Foto: Arne List/Wikipedia)

Moshe Zuckermann, Sohn von Holocaust-Überlebenden und in den 1968er Jahren Student an der damals links-kritischen Universität in Frankfurt am Main, sieht in Israel eine stark gestresste Nation in der Sackgasse.

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Meinungsumfragen unter Israels jüdischen Bürgern ergäben derzeit eine 70-prozentige Mehrheit für die Fortführung des Krieges gegen die Hamas, so berichtet der an der Universität von Tel Aviv lehrende Soziologe, Historiker und Philosoph Moshe Zuckermann im Interview mit Publik-Forum (Ausgabe 15/2014).

Wie blinde Krieger in der Sackgasse agierten die Konfliktgegner im Umfeld der islamistischen Hamas und in Israels rechtspopulistischer Regierung unter Benjamin Netanjahu. Das sehe man auch an Reaktionen auf Netanjahus Versuch, einen dauerhaften Waffenstillstand zu schließen: Da habe sich ein wütender Proteststurm vom rechten Flügel seiner Likud-Partei sowie von noch rechteren Parteien erhoben.

Bürgerkrieg innerhalb Israels?

Zuckermann erklärt: »Die große Frage hinter den Ereignissen dieser Tage lautet: Was will denn überhaupt die Bevölkerung? Weshalb wählt sie seit Jahrzehnten Regierungskoalitionen, die dezidiert gegen den Frieden sind? In Worten scheinbar dafür, doch in Taten völlig dagegen? Weshalb dieses langfristig bestürzend stabile Muster von Wahlverhalten? Weil eine Zwei-Staaten-Lösung in den Grenzen von 1967, die Frieden zwischen beiden Völkern schaffen würde, sehr viel mehr kosten würde. Deshalb will Israel mehrheitlich den Frieden nicht. Um Frieden zu erhalten, müsste man die Siedlungen abbauen, die besetzten Gebiete räumen, die Jerusalem-Frage klären, das Flüchtlingsproblem angehen... Es gibt keine Kraft, die solch eine, längst international durchdiskutierte Zwei-Staaten-Lösung angehen könnte, ohne den Bürgerkrieg innerhalb Israels zu riskieren.«

Religionen als Aufhetzer zum Hass

Die Vernünftigen unter den religiös Engagierten, also die friedensorientierten Juden, Muslime sowie palästinensische Christen gingen derzeit völlig unter. Ihre Stimmen würden nicht gehört. Ihre politische Wirkung sei gleich Null, ebenso wie die der israelischen Linken. Um so öffentlichkeitswirksamer präsentierten sich dumpfe, antiaufklärerische jüdische sowie islamische Kräfte, die von der Vernichtung des Gegners träumten und diese möglichst herbeibeten wollten.

»Religion wird instrumentalisiert, um den bestehenden Hass noch mehr zu forcieren«, sagt Moshe Zuckermann.

Dennoch bewahrt er sich Hoffnung. Weshalb, das lesen Sie in der morgigen Ausgabe von Publik Forum.

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