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Hoeneß und der gefährliche Reichtum

Uli Hoeneß, der millionenschwere Steuerhinterzieher, muss ins Gefängnis. Zu Recht. Doch das wirkliche Problem ist die ungleiche Verteilung des Reichtums. Sie führt niemanden hinter Gitter. Und doch ist sie gefährlich – für uns alle. Immer
von Wolfgang Kessler vom 13.03.2014
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Veruteilt zu dreieinhalb Jahren Haft: Uli Hoeneß muss für seine Steuerhinterziehung büßen. Bei 27,2 Millionen Euro Steuerschuld hörten die Behörden auf zu zählen. Sein Anwalt kündigte Widerspruch gegen die gerichtliche Entscheidung an. (Foto: pa/Müller/alltime-media.de)
Veruteilt zu dreieinhalb Jahren Haft: Uli Hoeneß muss für seine Steuerhinterziehung büßen. Bei 27,2 Millionen Euro Steuerschuld hörten die Behörden auf zu zählen. Sein Anwalt kündigte Widerspruch gegen die gerichtliche Entscheidung an. (Foto: pa/Müller/alltime-media.de)

Zugegeben, die Richter in München haben sich weder von Star-Anwälten noch von Fußballfans von ihrem Urteil gegen Uli Hoeneß abhalten lassen. Damit sind sie weiter als Politik, Wirtschaft und die meisten Medien, die das wirkliche Problem gerne kleinreden.

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»Nirgendwo in der Eurozone sind die Vermögen ungleicher verteilt als in Deutschland.« Diese nüchterne Mitteilung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ist schon ärgerlich genug. Der eigentliche Skandal liegt jedoch darin, dass sich fast niemand mehr über die große soziale Ungleichheit in Deutschland erregt, abgesehen von einigen Wohlfahrtsorganisationen. Vor allem die Mehrheit der Politiker und die Wirtschaft haben sich mit der sozialen Ungleichheit in Deutschland längst arrangiert; auch von den Kirchenoberen kommen meist nur wenige, allgemeine Bemerkungen. Dabei ist die Entwicklung nicht »nur« moralisch inakzeptabel, sondern auch ökonomisch gefährlich.

Gleichheit macht glücklich

Natürlich kann niemand genau sagen, welche Verteilung wirklich gerecht ist. Dass es jedoch nicht gerecht sein kann, wenn zehn Prozent der Bevölkerung 60 Prozent des Gesamtvermögens besitzen, Wessis etwa doppelt so viel wie Ossis, Männer viel mehr als Frauen und 25 Prozent der Bevölkerung nichts besitzen oder Schulden haben, liegt wohl auf der Hand. Zumal Glücksforscher immerzu nachweisen, dass die Menschen umso glücklicher sind, je ausgeglichener die Einkommens- und Vermögensverteilung ist.

Das Märchen von den Investitionen

Mindestens so schwerwiegend wie die Ungerechtigkeit hinter den Zahlen ist jedoch die ökonomische Gefahr, die sich aus der sozialen Ungleichheit ergibt. Konservative und liberale Politiker und Unternehmer werden ja nicht müde, uns vorzugaukeln, dass es höchstmögliche Gewinne und Vermögen brauche, damit mehr in Arbeitsplätze investiert würde.

Wer jedoch in den Suchmaschinen das Wort »Bruttoanlage-Investionen« eingibt, stellt auch bei minimalen statistischen Kenntnissen fest, dass der Anteil der Investitionen an der Wirtschaftsleistung seit Jahren rückläufig ist. Das liegt schlicht und einfach daran, dass sich diese Investitionen nicht lohnen, wenn immer mehr Menschen immer weniger Geld haben und folglich immer weniger kaufen – und der hoch verschuldete Staat auch immer weniger investiert.

Reichtum für die Spekulation

So entpuppt sich die Kunde von den hohen Gewinnen und Vermögen, die investiert werden, als Märchen von gestern. In Wirklichkeit fließt ein immer größerer Teil der Vermögen auf die Finanzmärkte und damit dorthin, wo auch der Wurstfabrikant Uli Hoeneß tätig war: Das Vermögen fließt in riskante und spekulative Anlagen, die volkswirtschaftlich keinen Nutzen bringen. Im Gegenteil. Die rasende Börsenspekulation – pro Sekunde werden 100.000 Käufe oder Verkäufe getätigt – kann viel Schaden anrichten und sehr gefährlich werden. Siehe Uli Hoeneß, der den Staat betrogen hat. Siehe Finanzkrise, nach der die Steuerzahler für die Banken in die Bresche springen mussten.

Armut in den Pflegeheimen

Manche sagen: Was kümmern mich die Spekulanten an den Börsen? Sie verlieren oder gewinnen. Was haben wir davon? Die Antwort lautet: Sehr viel. Denn während jeden Tag allein an den Devisenbörsen 4000 Milliarden Dollar umgesetzt werden, fehlt in Kommungen, Pflegeheimen, Universitäten, Schulen und Kindergärten das Geld. Wo das Geld nur nach Rendite strebt, fehlt es dort, wo keine Gewinne erzielt werden. Spekulationsmilliarden im Dienste von Multimillionären und leere öffentliche Kassen sind die zwei Seiten der gleichen Medaille.

Da ist es schade, dass sich die meisten Beobachter zwar für den Prozess gegen einen prominenten Steuerhinterzieher interessieren, aber nicht für die ständige Umverteilung von Reichtum in die Hände von wenigen, die uns alle täglich betrifft.

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Personalaudioinformationstext:   Wolfgang Kessler ist Wirtschaftswissenschaftler und Chefredakteur von Publik-Forum. Von ihm erschien vor kurzem das Buch »Zukunft statt Zocken. Gelebte Alternativen zur entfesselten Wirtschaft«. Publik-Forum Verlag. 9,90 Euro
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