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Auf die Plätze ... fertig ... Iowa!

Am 1. Februar beginnen die Vorwahlen im Präsidentschaftswahlkampf der USA. Los geht´s in Iowa. Der kleine Agrarstaat gilt als Stimmungsbarometer: Kann der republikanische Demagoge Donald Trump hier punkten? Barbara Jentzsch, USA, über Abgründe und Hintergründe republikanischer und demokratischer Kandidaten
von Barbara Jentzsch vom 30.01.2016
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Donald Trump im Wahlkampfmodus, in diesen Tagen fotografiert in Las Vegas: Ein Mann pöbelt sich ins Herz von Millionen. (Foto: pa/GDP Photos/MPI)
Donald Trump im Wahlkampfmodus, in diesen Tagen fotografiert in Las Vegas: Ein Mann pöbelt sich ins Herz von Millionen. (Foto: pa/GDP Photos/MPI)

Bevor Amerika am 8. November seinen 45. Präsidenten wählt, müssen komplizierte Vorwahlen absolviert, ein Dutzend Fernsehdebatten verdaut und die Nominierungs-Parteitage abgehakt werden. Ein nerviger Prozess,aber die Yankees kennen und wollen es nicht anders.

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Der Startschuss zu den Vorwahlen fällt am 1. Februar im Bundesstaat Iowa. 12 Republikaner und drei Demokraten buhlen hier um die Gunst der Wähler. Der kleine Agrarstaat ist eine Hochburg der christlichen Rechten und gilt traditionell als Stimmungsbarometer. Wer hier gewinnt,darf sich auf flotten Rückenwind, rasanten Spendenfluss und viele neue Wähler freuen. Wenn die Umfragen nicht trügen – alles schon dagewesen –, dann wird Iowa Überraschungen präsentieren, die im Herbst 2015 noch undenkbar schienen.

Dank einer Parteibasis,die sich von ihren Spitzen in Washington verraten und verkauft vorkommt, führt bei den Republikanern ein schriller Außenseiter: Der deutschstämmige Immobilienmogul,TV-Host und Rechtspopulist Donald Trump liegt knapp vor dem Tea-Party-Darling Ted Cruz. Auf den dritten Platz hofft Floridas schwatzhafter Senator Marco Rubio.

Bei den Demokraten muss sich Hillary Clinton vor einem populären Sozialisten fürchten. Vermonts Senator Bernie Sanders ist ihr so auf die Pelle gerückt,dass sogar Präsident Obama für seine Ex-Außenministerin die Trommel rührt. Ursprünglich wollte er sich aus dem innerparteilichen Gerangel heraushalten .

Donald Trump pöbelt sich ins Herz von Millionen

Mit Überraschungen hat dieser Wahlkampf bisher wahrlich nicht gegeizt: Kaum hatte Amerika sich mit dem allseits erwarteten Duell der Bush/Clinton–Dynastien abgefunden,da gab der bombastische Donald Trump seinen Einstand. Niemand nahm den Schreihals anfangs ernst. Viele nahmen an: Wer eine ganze Nation (Mexiko) als Vergewaltiger verunglimpft, ein generelles Einreiseverbot für Muslime fordert,Weltpolitik als »Business Deal« missversteht und sich selbst für den Größten hält, würde sich von selbst erledigen.

Hat er aber nicht. »Die Eintagsfliege« pöbelte sich ins Herz von Millionen,hat viele Rivalen abserviert und sich in Iowa, dank grenzenloser,unbezahlbarer Medieaufmerksamkeit, an die Spitze der desillusionierten Republikaner-Riege manövriert.

Doch von der verwegenen Idee,sich die traumhafte weiße Immobilie an der Pennsylvania Avenue via Wahl schlicht zu kaufen,wird sich der vom Wirtschaftsmagazin Forbes auf acht Milliarden geschätzte Donald Trump wohl verabschieden müssen. Ein etwa viermal so reicher Interessent will ihm den »Super Deal« verderben: Michael Bloomberg, Ex-Bürgermeister von New York,packt das Grauen,wenn er sich den Egomanen Trump oder den Linkspopulisten Bernie Sanders im Oval Office vorstellt. Der parteilose Bloomberg wartet seit Jahren auf seine Chance. Jetzt streckt er seine Fühler aus.

Trump gilt als manipulierbar: Das gefällt dem Partei-Establishment

Im März,wenn abzusehen ist,ob mit Trump und Sanders ernsthaft zu rechnen ist, will Bloomberg sich entscheiden. Ein gestandener Politiker wie er, ohne Washingtoner Stallgeruch, könnte der aufmüpfigen republikanischen Basis schon gefallen. Dem konservativen Partei-Establishment eher nicht. Trump gilt in Washington zwar als Chaot – aber manipulierbar. Am parteilosen Profi Bloomberg würden sich die Granden der Grand Old Party (GOP) die Zähne ausbeißen.

Bleibt der Clinton-Erfolg im Schnell stecken?

Auch bei den Demokraten geht es am Wochenende vor Iowa rund. Der 40-Punkte–Vorsprung,mit dem Hillary Clinton ihre Kampagne im Sommer begann,hat sich verflüchtigt. Iowas Wähler sind bekannt dafür, sich erst im letzten Moment zu entschließen,aber wenn ein Schneesturm tobt,das Auto nicht anspringt oder die Sanders-Fans mehr und bessere Transportmöglichkeiten haben, droht Hillary in Iowa ein noch peinlicheres Desaster als die unerwartete Niederlage vor acht Jahren gegen Barack Obama.

Kein Wunder,dass sie nervös ist, ihre Attacken auf Sanders verschärft, sich nicht davor gescheut hat, Obama um ein bisschen Schützenhilfe zu bitten, und ihren Bill nebst Tochter Chelsea ins Rennen schickt. Ob das hilft oder eher schadet,wird sich zeigen.

Vielleicht hat das Tief in den Meinungsumfragen mit den Fernseh-Debatten und Townhall-Meetings zu tun. Clinton war zwar gut vorbereitet auf aktuelle Fragen – wie Amerikas Krieg gegen den Terror,Iran, Syrien, Libyen, Waffenkontrollgesetze oder Einwanderung. Sie wirkte locker, überzeugte durch Eloquenz und Sachverstand – aber passioniert, gradlinig und authentisch,wie der Rivale aus Vermont? Das war sie beim besten Willen nicht. Der desperate Versuch, Bernie Sanders als realitätsfernen Träumer und sich selbst als die pragmatische, wahre Progressive hinzustellen, war auch ein Schuss in den Ofen. Damit verprellte sie vor allem die Jungwähler,die ihr fehlen und die für ihren Bernie landesweit und liebend gern durchs Feuer gehen.

Dass sich besonders junge Leute für den 74-jährigen Senator erwärmen, liegt nicht nur an seinem Vorschlag,ein kostenloses Universitätsstudium einzuführen. Sanders begeistert eine neue Generation vor allem,weil ihr seine Wut auf die »Handvoll Milliardäre, die Amerika betrogen und den Mittelstand ruiniert hat«, aus dem Herzen spricht, und seine Weigerung, Spenden von Corporate America anzunehmen, bewundert wird. Die Heerscharen der jungen Wahlhelfer, die sich im ländlichen Iowa jetzt um Organisation, Logistik, Outreach und Transportfragen kümmern, haben Sanders in den Medien gern lächerlich gemachte Aufforderung zur »politischen Revolution« richtig verstanden: als Aufruf zur Mobilisierung aller Kräfte gegen »die Establishment-Wirtschaft,die Establishment-Medien und die vom großen Geld,sprich Wall Street, beherrschte Establishment-Politik«. Ob und wie weit die Kräfte der Sanders- Revolutionäre in Iowa reichen, ist eine spannende Frage.

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Personalaudioinformationstext:   Barbara Jentzsch berichtet seit über dreißig Jahren aus den USA. Viele Jahre arbeitete sie intensiv für Rundfunk und Fernsehen sowie für Tages- und Wochenzeitungen in Deutschland, darunter immer wieder auch für Publik-Forum. Sie lebt im Bundesstaat Virginia.
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