Abdel-Samad wieder frei
Das Auswärtige Amt bestätigte die Meldung am gestrigen Abend: Hamed Abdel-Samad befinde sich in der Obhut der deutschen Botschaft in Kairo. Nach wie vor ist allerdings unklar, warum der Publizist am späten Sonntagnachmittag auf dem Weg zu einem Treffen verschwand.
Seinem Bruder hatte er über Handy mitgeteilt, er fühle sich verfolgt. Dann war der Kontakt abgerissen. Mahmoud Abdel-Samad hatte sich daraufhin sowohl an die Behörden wie an die Presse gewandt, um auf das Verschwinden Hameds aufmerksam zu machen. Er befürchtete, dass sein Bruder von Islamisten entführt worden sein könnte. Dazu hatte er Grund: Hamed Abdel-Samad ist in Ägypten als Freund des Arabischen Frühlings und scharfer Kritiker religiöser Fanatiker bekannt. Er tritt immer wieder öffentlich in Erscheinung; im Frühsommer hatte ein Scheich eine Fatwa gegen ihn ausgerufen. Damit war eine Tötungsdrohung in der Welt, die dazu führte, dass Hamed Abdel-Samad in Deutschland Polizeischutz erhielt und auch bei seinen Besuchen in Ägypten Leibwächter hatte.
Doch bei seinem Treffen am Sonntag hatte er auf die Begleitung durch ebensolche Leibwächter verzichtet. Der Grund dafür ist bislang nicht bekannt. Ebenso unklar ist, wen er treffen wollte. Gemutmaßt wird über ein geschäftliches Treffen; Hintergrund soll ein Konflikt über eine geplatzte Investition in eine Fabrik am Stadtrand von Kairo sein; Abdel-Samad soll Geld von einem Geschäftspartner zurückverlangt und ihn verklagt haben. Andere Quellen berichten, dass der Publizist möglicherweise einen Informanten treffen wollte, der bei seinen Recherchen zu einem neuen Buch eine Rolle spiele.
