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Podiumsdiskussion anlässlich 50 Jahre Publik-Forum
Respekt, Verantwortung, Unabhängigkeit

vom 27.01.2022
Ethischer Journalismus in Zeiten einer zunehmenden Verwilderung der Medienlandschaft. Es diskutieren Petra Bahr, Wolfgang Thierse und Heribert Prantl. Das Video zur Online-Veranstaltung finden Sie hier.

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Braucht ein Journalist, eine Journalistin eine Haltung, um verantwortungsvoll berichten zu können? Petra Bahr mag das Wort nicht, das habe sich »so eingeplätschert, dass alle jederzeit eine Haltung haben müssen«, sagt die evangelische Regionalbischöfin von Hannover und Publizistin – und das führe dann dazu, »dass man Bekenntnisse ausspricht, statt mit Abstand zu analysieren« und sauber zu recherchieren. Heribert Prantl, der langjährige Leitartikler der Süddeutschen Zeitung, widerspricht: Selbstverständlich brauche guter Journalismus einen »Halt in den Grundwerten«, den Grund- und Menschenrechten, im »Respekt für Minderheiten, soziale Verantwortung, Gleichheit vor dem Gesetz«. Wolfgang Thierse, der ehemalige Bundestagspräsident und Mitherausgeber von Publik-Forum, ist in dieser Frage, wie er sagt, ambivalent: Als »demokratische Grundhaltung, aus der Unabhängigkeit wachse gegenüber Moden und Trends«, sei eine klare Haltung gut. Als »Parteilichkeit, Urteilsgewissheit, Vorgefasstheit«, wie er es in der DDR erlebt habe, sei sie eine furchtbare Untugend.

Und schon ist die Debatte im Gange zwischen der schreibenden Kirchenfrau, dem katholischen Sozialdemokraten und dem religiösen Publizisten – vor beinahe 500 online versammelten Menschen, meist Leserinnen und Lesern von Publik-Forum. Moderiert wird sie von Chefreporter Matthias Drobinski.

50 Jahre alt ist die Zeitschrift nun, der damals viele Beobachter keine fünf Jahre gaben, als Harald Pawlowski im Keller seines Wohnhauses die ersten Ausgaben zusammenstellte, weil Publik nicht sterben sollte, das ungeliebte, weil zu liberale publizistische Kind der katholischen Bischöfe. Heute hat das Blatt mehr als 35000 Abonnentinnen und Abonnenten – eine Erfolgsgeschichte, auf die Redaktion, Verlag und die Publik-Forum tragende Leserinitiative stolz sein kann, so Chefredakteur Alexander Schwabe.

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Was heißt es heute, kritisch, christlich und unabhängig Journalismus zu betreiben, inmitten der Digitalisierung, in der kollektiven Unsicherheit und Gereiztheit der Corona-Pandemie, der besorgniserregenden Erderwärmung?

Eineinhalb Stunden geht es hin und her: Gerade eine Zeitschrift wie Publik-Forum solle ihre christliche Orientierung als Motor der Wahrheitssuche sehen, als kritische Perspektive auf die eigenen Gewissheiten, als Quelle der Hoffnung gegen die Weltuntergangsängste, gegen die tausendfache Dogmatisierung und Unfehlbarkeitserklärung im Netz, gerade dann, wenn eine Institution wie die katholische Kirche sich in die Existenzkrise manövriert hat – so lassen sich die Ratschläge der drei Diskutierenden zusammenfassen.

Ihre Wünsche an das Blatt: Dass Publik-Forum ein Ort des tiefgehenden Nachdenkens bleibt in einer Zeit, in der vielen Medien der Atem knapp wird, wünscht Heribert Prantl. Dass es eine Vielfalt an Meinungen und Positionen gibt, sagt Wolfgang Thierse. Dass Publik-Forum ist, was der Name verspricht, sagt Petra Bahr: ein öffentliches Forum des Austauschs, des fairen Streits, der Vielfalt.

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Georg Lechner
29.01.202218:59
Bei PuFo und den heimischen Printmedien (Wiener Zeitung, Falter), die ich lese, sehe ich sehr wohl das Bemühen um Vermittlung. Was aber sachlich falsch ist (Ivermectin ist eben gegen Covid-19 im besten Fall wirkungslos, weil Viren keinen eigenen Stoffwechsel haben, der solcherart lahmgelegt werden könnte), muss auch entsprechend kommuniziert werden.
In Ö. ist die Thematik parteipolitisch verkompliziert, weil der damalige Kanzler Kurz den jetzigen FPÖ-Chef Kickl aus niedrigen Motiven aus dem Amt gedrängt hat (es hätte auch triftige Gründe wie die Razzia beim Verfassungsschutz gegeben, aber da hat die VP Kickl noch die Mauer gegen das Misstrauensvotum der Opposition gemacht). Kickl hat daher in seinem Hass wegen seiner Ausbootung gegen alle Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie agitiert (Masken, Testen, Impfen, Kontaktbeschränkungen). In den Userkommentaren in der Wiener Zeitung (Online-Version) ist die Frontstellung unübersehbar, privat sieht es wenigstens ungleich besser aus.
Ingrid Boss
29.01.202217:54
Vielen Dank für die informativen Beiträge in schwierigen Zeiten.
50 Jahre, das ist ein Jubiläum, danke für all die guten Informationen.
Ingrid Boss
29.01.202209:42
Vielen Dank für die informativen Beiträge in schwierigen Zeiten.
50 Jahre, das ist ein Jubiläum, danke für all die guten Informationen.
Dr. Bernd W. J. Lorenz
28.01.202216:41
Exkurs: "Christliche Journalisten" fand ich sehr gut.
Herr Prantl hatte einen vielleicht zu großen Gesprächsanteil.
Herr Drobinski wollte m.E. etwas bemüht, Probleme der kath. Kirche zum Thema zu machen - die katastrophale Mißbrauchssituation sollte nicht so einseitig nur einem (Haupt)Adressaten zugeordnet werden.
Hochinteressante Anregung von Frau Bahr: In der Stille die spirituellen Wurzeln entdecken.
(Ich notiere hier nicht systematisch, sondern spontan...)