Margot Käßmann

Margot Käßmann, Theologin und frühere Ratsvorsitzende der EKD, ist »enttäuscht« von der neuen evangelischen Friedensdenkschrift. Die EKD habe damit eine »große Chance verpasst, in Zeiten massiver Aufrüstung glasklar für Abrüstung zu plädieren und den Pazifismus aus christlicher Überzeugung und auf Grundlage des Evangeliums wieder in die Debatte in der Mitte der Gesellschaft zu bringen«. So schreibt Käßmann im Magazin der Deutschen Friedensgesellschaft. Die Passage, in der das Dokument sogar eine »präventive militärische Reaktion« unter Umständen »aus ethischer wie völkerrechtlicher Perspektive« für gerechtfertigt hält, öffnet laut Käßmann »der Willkür Tür und Tor«.
Stark stört sich Käßmann auch an einer anderen Passage der im November vergangenen Jahres vorgestellte Friedensdenkschrift. Dort steht: »Christlicher Pazifismus ist als allgemeine politische Theorie ethisch nicht zu begründen. Er ist aber als Ausdruck individueller Gewissensentscheidung zu würdigen. Christlicher Pazifismus ist Ausdruck gelebter Frömmigkeit.« Käßmann schreibt: »Damit wird Pazifismus abgeschoben ins Private.« Die EKD habe damit auch versäumt »deutlich zu machen, dass es nicht um Wehrpflicht geht, sondern um die Verpflichtung zum Kriegsdienst, dem gegenüber die Verweigerung in der Tat das deutlichere christliche Zeichen ist.«
Als »Ermutigung der Friedensbewegung«, kritisiert Käßmann, »lässt sich die Denkschrift nicht wirklich lesen«. Sie teile die Enttäuschung von Menschen, die sagten, die EKD habe die Friedensbewegung »schlicht ausgebürgert«.




Personen und Konflikte