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Karl-Heinz Wiesemann

Der Bischof von Speyer erzählt von seiner schweren Depressions-Erkrankung: »Es ist keine Schande, sich Hilfe zu holen.«
vom 15.05.2026
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Karl-Heinz Wiesemann machte seine Depressionserkrankung öffentlich (Foto: epd-bild/Heike Lyding)
Karl-Heinz Wiesemann machte seine Depressionserkrankung öffentlich (Foto: epd-bild/Heike Lyding)

Karl-Heinz Wiesemann, katholischer Bischof von Speyer, hat seine Depressions-Erkrankung öffentlich gemacht, für die er im Jahr 2021 eine fast siebenmonatige Auszeit hatte nehmen müssen. Beim Würzburger Katholikentag erzählte er – so offen, wie es wohl noch kein Oberhirte getan hat – über diese Zeit und wie es dazu kam. Die KNA schreibt, Wiesemann sei als Priester ganz in der Rolle des Seelsorgers aufgegangen. Das alte Bild von Kirche aber habe dabei immer größere Sprünge bekommen, manche kirchliche Lehre sei an der Realität zerschellt. Das setzte ihm immer mehr zu, berichtete Wiesemann im Gespräch mit Showmaster Harald Schmidt.

Dann der Sprung vom Seelsorger zum Bischof mit abstrakten Leitungsaufgaben und Zwängen, viel weiter entfernt von den Gläubigen. Er habe die Grenzen seiner körperlichen und seelischen Belastbarkeit immer mehr gespürt; sein hohes Ideal als Priester und Bischof sei zur ständigen Überforderung geworden.

Finanzprobleme und Änderungsprozesse im Bistum, insbesondere der Missbrauchsskandal in der Kirche, erzählt Wiesemann, seien ihm so sehr an die Nieren gegangen, dass er krank geworden sei: Schlafstörungen, tiefe Ohnmachtsgefühle, Bodenlosigkeit. Auch seinen Glauben und sein Rollenverständnis als Bischof stand in Frage.

Im Februar 2021 nimmt Wiesemann dann die Auszeit, geht auch für zwei Monate in eine Klinik. Sport, Kunst, Musik: Die Behandlung habe es geschafft, »meine kreativen Quellen wieder freizulegen«, berichtet der 65-Jährige, der sich selbst als musischen Menschen beschreibt, der schon früher gern am Klavier improvisiert habe: »Ich habe gelernt, mich auf das Positive, auf das Schöne in der Welt zu konzentrieren.«

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»Es war eine Zeit, die für mich nicht einfach, aber notwendig war«, so der Bischof. Während der Krankheitsphase seien ihm seine »Schwächen und Grenzen« wie auch seine »Stärken und Kraftquellen« wieder deutlicher bewusst geworden. Diese Erfahrung habe auch seinen Glauben verändert und seinen Blick stärker auf die Bruchstellen menschlichen Lebens gelenkt.

Wiesemann sieht diese Erfahrung auch als Auftrag für seine zukünftige Arbeit: Sowohl in der Kirche als auch in der Gesellschaft herrsche ein Drang zu Perfektionierung und Selbstoptimierung. Kirche könne aber mit ihrem Gottesbild dazu beitragen, dass die Menschen Begrenztheiten und Endlichkeit besser annehmen könnten. Und er sagt – als Ermunterung an alle, die in die Depression rutschen: »Es ist keine Schande, sich Hilfe zu holen.«

Das betont auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Stiftung Depressionshilfe, Ulrich Hegerl, der zusammen mit Showmaster Harald Schmidt, Schirmherr der Stiftung, den Würzburger Gesprächsabend und bereits ein paar Dutzend andere arrangiert hat. »Depressionen sind eigenständige, schwere Erkrankungen und mehr als nur eine Reaktion auf schwierige Lebensumstände«, sagt Hegerl. In Deutschland erkrankt etwa jede fünfte Person mindestens einmal im Leben an Depression.

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