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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2014
Der große Traum
Während im Westen die Euro-Angst grassiert, brennen die Osteuropäer für die europäischen Werte
Der Inhalt:

Ist Strom zu teuer?

vom 20.02.2014
Um die Strompreise tobt eine hitzige Debatte. Die einen sorgen sich um die Kosten für Ärmere, Familien und die Wirtschaft, andere fragen, ob wir uns billige Energie überhaupt noch leisten können. Ein Pro-und Contra von Michael Fuchs und Wolfgang Kessler
Für Michael Fuchs (links), den stellvertretenden CDU-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, bedrohen die Kosten des Ökostroms den Industriestandort Deutschland. Publik-Forum-Chefredakteur Wolfgang Kessler warnt hingegen davor, mit billiger Energie die Wegwerfgesellschaft zu bestätigen. (Fotos: privat; Pramme)
Für Michael Fuchs (links), den stellvertretenden CDU-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, bedrohen die Kosten des Ökostroms den Industriestandort Deutschland. Publik-Forum-Chefredakteur Wolfgang Kessler warnt hingegen davor, mit billiger Energie die Wegwerfgesellschaft zu bestätigen. (Fotos: privat; Pramme)

Michael Fuchs: »Ja, Wirtschaft und Ärmere sind bedroht«

»Mit derzeit rund 25 Prozent hat der Ökostrom schon heute einen bedeutsamen Anteil an der Stromerzeugung. Das ist ein großer Erfolg. Wahr ist aber auch, dass sich immer mehr Bürgerinnen und Bürger wegen der steigenden Energiekosten Sorgen machen. Die Verbraucher werden in diesem Jahr voraussichtlich rund 24 Milliarden Euro für die Förderung der erneuerbaren Energien zahlen. Das ist mehr als das Dreifache des Länderfinanzausgleichs. Auf eine vierköpfige Familie kommen durch die Ökostrom-Förderung in diesem Jahr Kosten von 500 Euro zu.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 03/2014 vom 14.02.2014, Seite 8
Der große Traum
Der große Traum
Während im Westen die Euro-Angst grassiert, brennen die Osteuropäer für die europäischen Werte

Neben den Belastungen für die privaten Verbraucher stellt die Kostenentwicklung beim Ökostrom eine große Herausforderung für den Industriestandort Deutschland dar. Die hiesigen Industrieenergiepreise zählen bereits heute zu den höchsten weltweit. Dies führt dazu, dass Investitionen in den energieintensiven Branchen wie zum Beispiel Stahl, Nichteisenmetalle, chemische Grundstoffe oder Papierherstellung in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen sind und immer öfter gegen den Standort Deutschland getroffen werden. Diese Entwicklung gilt es zu stoppen. Die energieintensiven Industrien schaffen die Einkommensgrundlage für Millionen Arbeitnehmer. Sie bilden auch das Fundament der industriellen Wertschöpfungskette, die in den letzten Jahrzehnten Wohlstand und sozialen Fortschritt in unserem Land gesichert hat. Denn nur dank seiner starken Industrie hat Deutschland die jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise so gut überstanden.

Deshalb gilt es, die Kostendynamik bei den erneuerbaren Energien schnellstmöglich in den Griff zu bekommen. Anderenfalls drohen Werksschließungen und die Vernichtung Zehntausender Arbeitsplätze. Daran kann niemand ein Interesse haben.«

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Wolfgang Kessler: »Nein, Stromsparen muss sich lohnen«

»Keine Frage, die steigenden Strompreise belasten energieintensive Industriezweige und sozial benachteiligte Haushalte. Deshalb spricht nichts dagegen, energieintensive Unternehmen von der Ökostrom-Umlage auszunehmen – allerdings nur die wenigen, bei denen die Stromkosten wirklich zu Buche schlagen. Und nichts spricht gegen einen Energiezuschuss zu Hartz IV oder zum Wohngeld.

Gefährlich wird es jedoch, wenn Politik, Wirtschaft und Bürger wieder in das Denken des vergangenen Jahrhunderts zurückfallen – und mit billiger Energie die Wegwerf- und Wachstumsgesellschaft anheizen wollen. Die Atomkraft ist nicht beherrschbar und schafft tödlich strahlenden Müll. Der weitere Raubbau an Öl, Gas und Kohle ruiniert die Umwelt. Und Ökostrom ist zu wertvoll, um verschwendet zu werden. Deshalb gibt es für die Zukunft nur eines: viel weniger Strom als bisher verbrauchen. Und hohe Preise sind dafür der beste Anreiz.

Dass dies Haushalte und Betriebe nicht überlasten muss, zeigt die Energiepolitik im Schweizer Kanton Basel-Stadt. Dort wurden die Strompreise mit einer Abgabe über die Jahre stark erhöht. Gleichzeitig gibt die Stadt die Einnahmen aus der Abgabe im folgenden Jahr wieder an die Bürger und die Unternehmen zurück: Dabei erhält jeder Basler, vom Baby bis zum Greis, und jedes Unternehmen für jeden Arbeitsplatz den gleichen Betrag – unabhängig vom Stromverbrauch. Die Botschaft ist klar: Je weniger Strom du verbrauchst, desto mehr profitierst du von diesem System. Das Ergebnis: weniger Stromverbrauch und keine Beschwerden, weil es einen sozialen Ausgleich gibt. Also, deutsche Politiker: Jammert nicht über hohe Strompreise. Werdet kreativ, statt im Kampf um die Gegenwart die Zukunft zu verheizen.«

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