Heiner Wilmer
Beim Michaelsempfang der katholischen Bischöfe in Berlin war auch der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt Thema. Heiner Wilmer, Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, zeigte sich schockiert. »Wie viele hier im Saal bin auch ich angesichts dieses Wahlergebnisses sprachlos», gestand Wilmer. Dies gelte aber nur für den ersten Moment. »Ich bin entschlossen im weiteren Handeln: Die AfD ist nachweislich nationalistisch und völkisch eingestellt. Für dieses völkische Gedankengut ist weder in noch außerhalb von Gotteshäusern, weder im Christentum noch im Judentum, noch im Islam Platz.«
Zugleich warb Wilmer um Zuversicht. »Als Kirche ziehen wir uns nicht zurück. Im Gegenteil«, so Wilmer: »Wir widersprechen, wenn Angst gegen Solidarität ausgespielt wird. Wir widersprechen, wenn Menschen gegeneinander in Stellung gebracht werden. Wir widersprechen, wenn demokratische Institutionen geschwächt werden.«
Der Münsteraner Bischof rief dazu auf, die Grundlagen von Freiheit und Demokratie in einer zunehmend digitalisierten und von Unsicherheiten geprägten Gesellschaft zu stärken. »Eine freie Gesellschaft lebt davon, dass Menschen unterschiedliche Meinungen vertreten dürfen. Doch Freiheit setzt eine gemeinsame Wirklichkeit voraus«, so Wilmer. Würden Tatsachen verfälscht, unterdrückt oder durch Desinformation ersetzt, verlöre die Meinungsfreiheit ihren demokratischen Sinn.

Personen und Konflikte