Dominique Mathieu

Dominique Mathieu, Kardinal und Erzbischof der Diözese Teheran-Isfahan, hat unter den laufenden israelischen und US-amerikanischen Angriffe sein Land verlassen. Zusammen mit dem Personal der italienischen Botschaft, auf deren Gelände er auch seinen Amtssitz hat, wurde der 62-jährige Kardinal nach Rom evakuiert – »nicht ohne Bedauern und Schmerz für unsere Brüder und Schwestern in Iran«, wie er mitteilte. Im Vatikan werde er berichten; er rufe zum Gebet »für die Bekehrung der Herzen zum inneren Frieden« auf, schrieb der Franziskaner-Minorit und gebürtige Belgier, den Papst Franziskus 2021 aus dem Libanon nach Teheran berufen und im Dezember 2024 zum Kardinal ernannt hat.
Unter den 90 Millionen Bewohnern Irans gehören nur wenige einer christlichen Kirche an. Die meisten – angeblich 150.000 mit dem Zentrum Isfahan – sind Armenier. Dazu kommen etwa 30.000 assyrische, sowie ein paar tausend römisch-katholische Christen. Deren Bistum, Teheran, ist die einzige »lateinische« Diözese Irans – und Kardinal Mathieu ihr einziger Priester. Die chaldäischen Christen, vielleicht 24.000, gehören zum Patriarchat Bagdad (Irak). Dazu kommt eine unbekannte Anzahl von Iranerinnen und Iranern, die trotz staatlichen und religiösen Verbots zu evangelischen Freikirchen konvertiert sind. Genaue Zahlen gibt es nicht, weil viele Christen – gerade die Konvertiten – aus Angst vor staatlicher Gewalt im Untergrund leben. Eine sehr beschränkte Duldung genießen armenische, assyrische und chaldäische Christen; sie dürfen Gottesdienste in ihrer Sprache feiern, nicht aber in der Landessprache Farsi.
Kardinal Louis Raphaël Sako wiederum, der mit Rom verbundene chaldäische Patriarch von Bagdad, genannt »von Babylon«, ist am Dienstag dieser Woche von seinem Amt zurückgetreten, »aus freien Stücken«, wie er mitteilte. Er ist 77 Jahre alt.




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