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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2016
Gott suchen in Auschwitz?
Eine Begegnung mit Überlebenden
Der Inhalt:
von Anne Lemhöfer vom 12.03.2016
Wir brauchen eine neue digitale Kultur, und zwar dringend
Hilfe, mein Handy spricht nicht mehr mit mir! Autorin Anne Lemhöfer versucht, sich damit mal kurz abzufinden. Ob das klappt? (Foto: pa/Westend61)
Hilfe, mein Handy spricht nicht mehr mit mir! Autorin Anne Lemhöfer versucht, sich damit mal kurz abzufinden. Ob das klappt? (Foto: pa/Westend61)

Vor dem Straßenbahnfenster zieht das neue Einkaufszentrum im Frankfurter Gallusviertel vorbei. Darüber: Regenwolken. Ein Kondensstreifen. Ta-dapp, ta-dapp, ta-dapp legt sich der Rhythmus der Räder akustisch über den frühen Morgen. Ein schöner Augenblick, um die Gedanken schweifen zu lassen. Zwölf Minuten lang. Ein Geschenk für Körper und Geist. Mit sich allein sein in der geschützten Zwischenwelt eines öffentlichen Verkehrsmittels, mit nur einer einzigen Verpflichtung: bei den Worten »Nächste Haltestelle Speyerer Straße« aufstehen und zur Tür gehen, den grünen Knopf drücken. Und wieder ein Teil der Welt da draußen werden. Bis dahin: Pause. Hier könnte dieser Text zu Ende sein. Eine kleine Betrachtung über das Nichtstun. Schön wär’s.

Doch da, ein Zucken. Da vibriert doch was. Meine Hand schiebt sich in die Jackentasche. Ah, es hat jemand geschrieben. WhatsApp? E-Mail? SMS? Egal, es kann warten. Eigentlich. Uneigentlich tippt mein Zeigefinger bereits den Entsperrungscode auf dem Display ein.

Eine E-Mail von meiner Redakteurin. Wie schön. »Ich möchte mal wieder versuchen, Sie zu überreden, für uns einen Artikel zu schreiben. Konkret: Ein Feature zum Thema ›Wie uns das Smartphone krank macht‹. Warten Sie doch noch das Wochenende ab, bevor Sie absagen.«

Abwarten? Noch mal drüber nachdenken? Ach was. Ich bin ja quasi Expertin auf dem Gebiet. Schließlich bin ich selbst eine von denen, über die ich mit mahnendem Zeigefinger schreiben soll. Mein Smartphone ist nicht weniger ein Teil von mir als mein linker Fuß. Ich tippe. »Gern. Bis wann?« und drücke »senden«.

Ta-dapp, ta-dapp. Ta-dapp. Die Regenwolken. Die erwachende Großstadt, i

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