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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2016
Gott suchen in Auschwitz?
Eine Begegnung mit Überlebenden
Der Inhalt:

»Das ist eine rückstandslose Droge«

von Anne Lemhöfer vom 11.03.2016
Der Informatiker Alexander Markowetz erforscht die Smartphone-Kultur – und plädiert für eine digitale Diät

Publik-Forum: Herr Markowetz, Sie erforschen die Smartphone-Kultur der Deutschen und haben dafür die App »Menthal« entwickelt. Was haben Sie herausgefunden?

Alexander Markowetz: Bisher haben etwa 300 000 Leute die App installiert. Ihnen geht es natürlich in erster Linie darum, selbst einen Überblick über die Häufigkeit ihrer Handynutzung zu bekommen. Das Smartphone ist ja eine rückstandslose Droge. Wer raucht, sieht abends einen vollen Aschenbecher, wer trinkt, muss leere Flaschen entsorgen. Wie oft wir täglich aufs Handy schauen, verdrängen wir gern. Die unglaubliche Resonanz auf »Menthal« zeigt, dass sich in der Gesellschaft offenbar ein gewaltiger Redebedarf aufgestaut hat, der aus einem Unwohlsein im Umgang mit Smartphones resultiert. Jetzt haben wir das Verhalten von mehreren Zehntausend Nutzern analysiert.

Mit welchem Ergebnis?

Markowetz: Im Laufe eines Tages wird das Mobiltelefon im Schnitt 55 Mal entsperrt, etwa alle 18 Minuten. Etwa zwölf Prozent der Leute tun dies sogar 96 Mal pro Tag. Telefoniert wird hingegen kaum noch.

Sondern?

Markowetz: WhatsApp, Facebook, Insta gram und Nachrichten-Apps sind die größten Zeitfresser.

Ist das ein Problem, wenn man auf dem Laufenden bleiben will über das, was auf der Welt und im Freundeskreis geschieht?

Markowetz: Es bedeutet eine Fragmentierung des Alltags durch dauernde Unterbrechungen. Wir haben keine Pausen mehr, um uns unserer selbst bewusst zu werden. Diese Minuten zwischendurch, die es in der Geschichte der Menschheit immer gegeben hat, sind aber wie Vitamine, um Stress abzubauen und Depressionen vorzubeugen. Viele können ja nicht mal mehr einen Film von Anfang bis Ende schauen, ohne zwischendurch einen Blick aufs Handy zu werfen. Das ist für Menschen jedes Alters fatal, für Jugendliche aber besonders.

Inwiefern?

Markowetz: Es ist ein ganz wichtiger Entwicklungsschritt, sich in der Pubertät auch mal ganz allein und unverstanden zu fühlen, in seinem Zimmer zu hocken und seltsame Stimmungen auszuhalten. Wer melancholische Episoden ungestört erlebt, lernt etwas Wicht

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