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»Den Schweinehund streicheln«

Warum wir mit guten Vorsätzen oft scheitern und wie man sie doch verwirklicht. Ein Anstoß zu Anfang des immer noch ziemlich neuen Jahres – mit Fragen an die Coachin Sybille Unique
von Barbara Tambour vom 19.01.2014
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Sybille Unique: "Wenn wir in der Partnerschaft wie in Unternehmen mehr Menschenkenntnis entwickeln, haben wir weniger Konflikte." (Foto: privat)
Sybille Unique: "Wenn wir in der Partnerschaft wie in Unternehmen mehr Menschenkenntnis entwickeln, haben wir weniger Konflikte." (Foto: privat)

Frau Unique, haben Sie einen guten Vorsatz fürs neue Jahr gefasst?

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Sybille Unique: Ja. Ich will daran arbeiten, noch bewusster zu leben.

Ich hatte mir vorgenommen, im neuen Jahr häufiger zu joggen. Bis jetzt habe ich es noch kein einziges Mal getan. Warum scheitern wir mit guten Vorsätzen so oft und so rasch?

Unique: Weil wir es am falschen Ende anfangen.

Was wäre denn das richtige Ende?

Unique: Wir müssen uns drei Fragen stellen: Aus welchem grundlegenden Bedürfnis heraus verhalte ich mich so, wie ich es tue? Welchen Mangel kompensiere ich damit, dass ich am lästigen Verhalten festhalte? Und: Wie kann ich das Urbedürfnis befriedigen und den Vorsatz verwirklichen?

Sie meinen also, es sind grundlegende psychische Bedürfnisse, die uns im Alten verharren lassen. Welche zum Beispiel?

Unique: Erstens Zuwendung und Mitgefühl. Wir wollen wahrgenommen werden. Zweitens sind es Wertschätzung und Anerkennung. Wir wollen als Mensch wichtig genommen werden. Drittens ist es das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, danach, einen Platz in der Welt zu haben, Sinn zu finden und sich im Gesamtkosmos eingebunden zu fühlen. In unserer Gesellschaft werden diese Bedürfnisse zu wenig befriedigt. Also muss ich ein bestimmtes Verhalten ausbilden, um doch noch Zuwendung zu bekommen. Etwa, indem ich perfektionistisch werde, extrem nach Harmonie strebe oder zum Workaholic werde.

Was, wenn sich der Workaholic vornimmt: »Ich will weniger arbeiten«?

Unique: Das wird nicht ohne Weiteres funktionieren. Denn er befriedigt seine Urbedürfnisse nach Sinn, Zugehörigkeit oder Anerkennung darüber.

Was müsste er stattdessen tun?

Unique: Er müsste sich fragen: Wie kann ich das Bedürfnis, das mich so viel arbeiten lässt, obwohl ich darunter leide, anders befriedigen? Ich hatte mal den Vorsatz, morgens zehn Minuten lang zu meditieren. Aber es gab immer etwas Wichtigeres: ein dringendes Telefonat, E-Mails lesen. Zum Meditieren kam ich nicht, bis ich mich fragte, welches Urbedürfnis ich befriedige. Es war das nach Sicherheit, nach Planung, danach, dass meine Firma gut läuft.

Reicht es denn, die eigene psychische Struktur zu durchschauen?

Unique: Ja, in meinem Fall machte ich mir klar, dass auch die Meditation mein Urbedürfnis nach Sicherheit stillt, denn sie entspannt mich, macht mich kraftvoll und präsent. Ich habe sie mir dann quasi als Arbeitserhaltungsmaßnahme verordnet. Mein Bedürfnis, alles gut zu planen, befriedige ich, indem ich am Abend schon den nächsten Tag in den Blick nehme und keine Termine vor neun Uhr annehme. Jetzt kann ich morgens auch mal eine Stunde lang meditieren, ohne dass es mich wegzieht.

Gute Vorsätze sind also nicht an sich schlecht?

Unique: Sie sind absolut wichtig! Wir wollen doch wachsen in unserem Leben, Dinge besser machen – privat in unseren Beziehungen, mit den Kindern, den Kollegen. Und auch in Bezug auf unsere Umwelt und in politischen Entscheidungen. Nur allgemein formulierte Sätze wie: »Ich will künftig ganz entspannt sein!« sind Schwachsinn. Dadurch wird sich nichts ändern.

Wie muss ich es anstellen, damit aus dem guten Vorsatz etwas wird?

Unique: Ich muss kleine Schritte gehen und erleben, dass mein Urbedürfnis in anderer Weise gesichert ist. Und ich darf mir nicht zu viel zumuten: mit zehn Minuten Meditation anfangen, nicht mit sechzig.

Dann ist der innere Schweinehund also kein Feind, sondern ein Helfer?

Unique: Ja. Der Schweinehund ist ein ganz armer Hund. Er ist dieser Mangel an befriedigten Urbedürfnissen. Der muss nicht gepeitscht, der muss gestreichelt werden. Es geht darum, Menschenkenntnis zu entwickeln und Verständnis, mir selbst und anderen gegenüber. Um dies in Seminaren zu vermitteln, habe ich zusammen mit meinem Partner das Kartenspiel Politano-Poker entwickelt. Auf den Spielkarten sind die Charakterzüge als witzige tiermenschliche Figuren in zehn Gegensatzpaaren abgebildet. Etwa der Perfektionist und der Chaot; die Helferin und der Hilflose; der Selbstabwerter und der Angeber. Dazu gibt es Steckbriefe: Den Perfektionisten erkennt man an seiner Weltsicht: »Jeder Makel macht mich wertlos.« Seine innere Not: der Mangel an Anerkennung. Findet er hierzu einen Ausgleich, kann er seinen Vorsatz, weniger perfektionistisch zu sein, verwirklichen. Ich bin überzeugt: Wenn wir in der Partnerschaft wie in Unternehmen mehr Menschenkenntnis entwickeln, haben wir weniger Konflikte und können sie typgerecht lösen. Und dann können wir auch unsere guten Vorsätze besser verwirklichen.

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Personalaudioinformationstext:   Sybille Unique ist seit 25 Jahren Coachin und Seminarleiterin für Konfliktmanagement, Team- und Persönlichkeitsentwicklung. Sie arbeitet für internationale Unternehmen, Hochschulen und Organisationen. Außerdem ist sie Bildhauerin. Sie lebt in Offenburg.
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