Laufen und beten
Eigentlich wollte ich nur meinem Körper etwas Gutes tun, als ich mit Mitte dreißig anfing, regelmäßig zu laufen. Einen Ausgleich schaffen für die filterlosen Gitanes, auf die ich genauso wenig zu verzichten bereit war wie auf den abendlichen Rotwein. Um meinen Vorsatz durchzuhalten, schloss ich einen Pakt mit meinem inneren Schweinehund: Sobald du dich nach dem Lauf einmal schlechter fühlst als vorher, hörst du sofort auf zu laufen – ansonsten aber wird weiter gelaufen. Diese Verabredung hatte zur Folge, dass ich die mentalen Effekte der Bewegung sehr bewusst wahrnahm. Denn auch wenn ich zwischendurch frustriert Gehpausen einlegen musste, mich durch Atemnot und Herzrasen kämpfte – nach meinen Einheiten fühlte ich mich regelmäßig fröhlicher, gesünder, stärker. Und nicht nur das. Nach ein paar Wochen, als das Laufen merklich leichter fiel, stellte ich fest, dass die investierte Zeit mir mehrfach zurückgeschenkt wurde. Während meiner morgendlichen Runden konnte ich bestens meinen Tag strukturieren, schwierige Gespräche vorbereiten, Ideen für neue Projekte entwickeln. Bald fühlte ich mich insgesamt robuster, belastbarer und auch ein bisschen vernünftiger. Das Rauchen gab ich bald auf, den Rotwein genoss ich seltener, aber bewusster.
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Frank Hofmann ist Chefredakteur des ökumenischen Vereins Andere Zeiten e. V. in Hamburg.

