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Familiengeheimnisse

Die Macht des Verborgenen: Der versuch, schmerzhafte Dinge durch Schweigen aus der Welt zu schaffen, kann das Unglück nicht beseitigen.
von Michael Hollenbach vom 17.07.2024
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Ich habe schon als Kind gedacht, dass irgendwas nicht stimmt«, sagt Martina – Mitte 30 – rückblickend. »In meinen ersten Tagebüchern habe ich die Vermutung geäußert, dass ich vielleicht als Baby vertauscht wurde im Krankenhaus.« Später habe sie dann geglaubt, ihre Mutter sei fremdgegangen; das Schlimmste sei gewesen, dass sie dachte, sie sei durch eine Vergewaltigung entstanden. Martina lebte drei Jahrzehnte mit einem Familiengeheimnis. Sie ist ein sogenanntes Spenderkind, das mithilfe einer fremden Samenspende erzeugt worden ist. Wie die meisten Spenderkinder wuchs sie auf, ohne etwas über ihre Entstehung zu erfahren. Dabei war für sie klar, dass irgendetwas nicht stimmen konnte. Dieses Fremdheitsgefühl hat sie auch gegenüber ihren Eltern geäußert. Sie ahnte, es gibt da ein Geheimnis. Doch die Mutter hat alle Vermutungen zurückgewiesen. Martina ahnte, es hatte mit ihrem Vater zu tun, aber sie hatte auch Angst, etwas zum Einstürzen zu bringen.

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