»Schließlich haben wir alle geweint«
Stella* hat endlich angerufen und nach langem Zögern einem Interview zugestimmt. Die 37-Jährige* ist Mutter von drei kleinen Kindern. Ihr Mann ist zur Zeit »irgendwo«. Sie lebt mit den Kindern allein in einer Dreizimmerwohnung im Berliner Norden. Stella arbeitet als Küchenhilfe in einem Berliner Hotel. Eigentlich. Aber jetzt ist das Hotel geschlossen. Ob und wann es wieder dort losgeht, weiß Stella nicht. »Es sieht nicht gut aus«, sagt sie und führt mich in die Küche. Die Kaffeemaschine blubbert, ein Teller Kekse und zwei Tassen stehen auf einem Tablett. Ich frage nach den Kindern: »Die sind heute bei der Oma, damit wir in Ruhe reden können«, lacht die junge Frau. Stella gießt erst mal Kaffee ein. Sie wirkt sehr nervös, entschuldigt sich immer wieder, streicht ihre Haare glatt und fragt, ob es okay ist, dass sie ohne Maske reden will. Dann legt sie los, erzählt, dass sie und alle Kollegen im Hotel Kurzarbeitergeld bekommen. Das sei natürlich viel weniger als vor Corona, aber das fehlende Geld sei nicht das größte Problem. »Das Leben mit den Kindern und die ständige Angst, dass sich einer von uns mit dem Virus infiziert, das ist schlimm.« Sie zeigt ein Foto, auf dem sie mit den Kindern zu sehen ist. »Zwei Jungs und ein Mädchen hab ich, sie gehen alle noch in die Grundschule.« Neun Wochen gab es keinen Unterricht. Gelernt werden musste zu Hause«. Stella sagt, dass die Kinder damit total überfordert waren. »Wir haben einen einzigen Laptop, aber wie sollen drei Kinder damit jeden Tag arbeiten?
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