FREMDE FREUNDE
Wenn die Nacht hereinbricht in Pyla, einem kleinen Dorf im Südosten von Zypern, sieht Mustafa Kemal Atatürk grimmig aus. Zwei grelle Scheinwerfer beleuchten die Büste des Gründers der Republik Türkei von unten, Schatten bilden sich auf seiner Stirn, unter den stechenden Augen, an den Wangen, dem breiten Kinn. Links von ihm zuckt an einer Stange müde der weiße Halbmond auf der türkischen Fahne. Wer nach Pyla fährt, muss hier vorbei, Büste und Flagge sind direkt an der Straße vor der türkisch-zyprischen Schule. Dahinter befindet sich ein Sportplatz und – keine 150 Meter von Atatürk entfernt – die griechisch-zyprische Schule. Auf dem Rasen zum Eingang der Schule steht eine orthodoxe Kirche in Miniatur, daneben eine Fahnenstange, die vermutlich auf den Zentimeter exakt so hoch ist wie die türkische. Daran hängt eine griechische Flagge. Die zyprische Fahne, weiß mit der kupferfarbenen Silhouette der Insel über zwei gekreuzten Olivenzweigen, sucht man hier vergebens.
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