Der Priester der VerdaMmTEn
Eine umgebaute Dusche im Todestrakt von San Quentin. Bis zu 18 Gefangene kommen in Hand- und Fußfesseln in diesen vier Meter breiten und zehn Meter langen Käfig. Ein paar grelle Neonröhren beleuchten die surreale Szenerie. Die Häftlinge sitzen auf im Boden verankerten Holzbänken und warten auf Father George Williams. Der Jesuit wird gleich mit dem katholischen Gottesdienst für die zum Tode Verurteilten im kalifornischen Staatsgefängnis beginnen. Der Geistliche kommt den Gläubigen nicht zu nahe, er muss sich selbst in einem kleinen Extrakäfig, der etwas größer als eine Telefonzelle ist, mit einem Vorhängeschloss einsperren. So schreibt es die Gefängnisordnung vor. Vor ihm nur ein kleines Holzregal, das als Altar dient. Zum Schutz muss er auch noch eine kugelsichere Weste tragen, die ihn vor Angriffen mit spitzen Gegenständen schützen soll. Diese Weste aus schwerem Kunststoff-Material muss er überall auf dem Gefängnisgelände anhaben, wenn er nicht in seinem Büro ist. Father Williams blickt auf die »Verdammten« und denkt für sich: »Diese Männer haben schreckliche Taten begannen, doch ich sehe das nicht. Ich sehe nur die Männer vor mir. Sie sind noch immer Menschen.« Nur am Schluss des Gottesdienstes gibt es eine Berührung zwischen dem Priester und den Gläubigen. Als Zeichen des Friedens reicht man sich die Hände. Die Gefangenen schütteln nacheinander Father George Williams’ Hand durch eine kleine Öffnung in der Käfigwand. Er beschreibt diesen Moment als außergewöhnlich und sehr nahegehend. »Irgendwie fühlt sich das für mich so an, als ob sie damit eine andere Realität ergreifen möchten als den kalten und leblosen Ort, in dem sie leben. Der Händedruck eines Serienmörders, eines Kinderschänders, eines Peinigers fühlt sich genauso an wie jeder andere Händedruck.«
Sie haben bereits ein
-Abo? Hier anmelden

