Geschichten vom Hoffen und Wünschen
Die Frage nach Beispielen für die eigenen „kleinen Fluchten“ im Lebensalltag löst in der Regel ein nachdenkliches Lächeln aus und dann sprudeln die Beispiele: die Runde mit dem Hund; egal wann und wo die Beine hochlegen; seit zwanzig Jahren Stammtisch oder Skatrunde; Urlaubszeiten von der Familie; nach der Arbeit ein Kneipenbier vor der Ankunft zu Hause; regelmäßig einen Tag krankfeiern; Zeit im Schrebergarten; jedes Jahr Kurzurlaub auf einer Nordseeinsel; einmal die Woche Chorsingen; ein gutes Buch lesen; spezielle Kochkünste zelebrieren. Manches klingt nach anstrengenden Hobbys, andere kleine Fluchten folgen den zahllosen Angeboten der Gesundheits- und Wellnessbewegung wie der Freizeitindustrie, um sich mit Ansage zu entspannen, auf andere Gedanken zu kommen oder dem Alltag kurzfristig zu entkommen. Die Vermarktung der Sehnsucht, aus dem Alltagsstress und seiner Eintönigkeit auszusteigen, ist in vollem Gang, aber kontrolliert soll sie sein.
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Annelie Keil ist seit 2004 emeritierte Professorin an der Universität Bremen. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Gesundheitswissenschaften, Biografie- und psychosomatische Krankenforschung sowie die Arbeit mit Menschen in Lebenskrisen.

