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Ach Gott, Wetzlar!

Fast zwanzig Jahre hat es gedauert, bis ich mir eingestehen konnte, dass ich hier glücklich bin
von Eva-Maria Lerch vom 25.04.2019
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Wenn ich alten Bekannten oder Kollegen erzähle, dass ich jetzt in Wetzlar wohne, ernte ich oft diesen mitleidigen Blick: Ach Gott, wirklich? Wo liegt das noch mal? Nur 50 000 Einwohner? Kleinstädte wie mein Wetzlar gelten als spießig und langweilig. Und ihre Einwohner als – na ja, ein bisschen hinterwäldlerisch eben. Eine Adresse für Leute, die Weltläufigkeit und Stil ausstrahlen wollen, ist die Kreisstadt jedenfalls nicht. Da sollte man vorzugsweise in Metropolen wie Berlin oder Hamburg wohnen, oder wenigstens in einer alten Universitätsstadt wie Münster oder Freiburg. Das habe ich auch selbst so gesehen, bevor es mich mit meiner Familie ins mittelhessische Wetzlar verschlagen hat. Wir wollten auch höchstens drei Jahre bleiben. Aber jetzt sind wir schon mehr als zwanzig Jahre da. Und fast genauso lange hat es gedauert, bis ich mir eingestehen konnte, dass ich hier glücklich bin.

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