Zur mobilen Webseite zurückkehren

Ein Buch fürs Leben …
Die Liebe in den Zeiten der Kriege

Es tut gut, den Philosophen André Comte-Sponville zu lesen
von Norbert Copray vom 26.03.2015
Artikel vorlesen lassen

Zuerst lernte ich André Comte-Sponville durch sein Buch »Woran glaubt ein Atheist?« kennen, in dem er über die »Spiritualität ohne Gott« nachdachte und schrieb. Das war 2008, und ich attestierte ihm in einer Rezension einen »sorgsamen Dialog eines Atheisten mit dem Christentum«. Mit seinem Buch »Ermutigung zum unzeitgemäßen Leben« hatte der ehemalige Philosophieprofessor 1996 einen internationalen Bestseller gelandet, an den er nun mit seinem neuen Buch »Liebe« (Diogenes, 165 Seiten) anschließt, um darin »eine kleine Philosophie der Liebe« zu entfalten. Es nimmt im Wesentlichen einige Gedanken aus seinem Bestseller noch mal auf, um sie zu vertiefen. Und so lese ich die »Liebe« in Zeiten des weltweiten Terrors, der Kriege in der Ukraine, im Nahen Osten und in Afrika, des täglichen Missbrauchs von Menschen. Wie geht das zusammen? Zerreißt es mich? Wie geht das in meiner Seele, in unseren Seelen zusammen? Wie bleiben und werden wir liebesfähig und liebeswillig, ohne uns zu spalten, einfach nur wegzuducken, um nichts zu sehen und zu hören? Es tat mir gut, angesichts der täglichen Schreckensnachrichten dieses Buch zu lesen, mich zu verwurzeln in etwas, was mich trägt, seit ich denken und bewusst fühlen kann: in der Liebe. Und was mich sehr überrascht hat: der pointierte Atheist Comte-Sponville hat mich mit seinem Text berührt und hat – was mich sehr freut – die Anliegen des christlichen Liebesverständnisses sehr warmherzig und trefflich aufgenommen, besser als mancher Priester und Theologe. Für ihn ist die Liebe »eine Tugend, keine Pflicht«: »Wir brauchen die Moral nur, weil es an der Liebe fehlt.« Die Moral lässt uns die Liebe nachahmen, »so tun, als würden wir lieben«. Das ist besser, als unhöflich, lieblos oder gar rücksichtslos zu sein. Und er schaut sich das genauer an: »Was man aus Liebe tut, geschieht nicht aus Zwang. Aus diesem Grund befreit die Liebe von der Moral«: also »liebe und tu, was du willst«, wie er Augustinus dazu zitiert. Moral ist eine »Pseudo-Liebe«, eine Art Ersatz für mangelnde oder fehlende Liebe. Comte-Sponville vertieft sich dann in drei Formen der Liebe und ihre Verbundenheit: Eros – die leidenschaftliche Liebe, Philia – die verlässliche Freundschaft, Agape – die schenkende Liebe. Und lässt sich dabei inspirieren von Sokrates, Platon, Jesus, Thomas von Aquin, Kant und Simone Weil.

  Gedruckt + Digital  
  Digital  

Hören Sie diesen Artikel weiter mit P F plus:

4 Wochen freier Zugang zu allen P F plus Artikeln inklusive ihh Payper.

Jetzt für 1,00 Euro testen!

Publik-Forum
Publik-Forum
Einen Moment bitte...
0:000:00
1.0