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Bilder erzählen Weltgeschichte
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Viele Male habe ich dieses Buch aufgeschlagen, eines der Bilder betrachtet, die teils berühmte Gemälde zeigen, und habe unterschiedliche Zugänge versucht. Mal habe ich mich vom ersten Eindruck eines Gemäldes einfangen lassen und mir dann eine Geschichte dazu überlegt, die mit dem Gemalten beziehungsweise Gezeigten unmittelbar zu tun hat oder zu tun hatte; mal habe ich mich vom Titel des Kapitels leiten lassen und ein anderes Mal zuerst den Bildkommentar gelesen und dann erst das Bild näher angeschaut. Ich fand jeden dieser Zugänge reizvoll und bisweilen den Zusammenhang zwischen Bild, Inhalt und Kommentar überraschend, wie ihn der Düsseldorfer Helge Hesse hergestellt hat. Er ist freier Autor, Publizist, Drehbuchautor und Filmregisseur zu historischen, kulturellen und wirtschaftlichen Themen. Das vorliegende Buch »Bilder erzählen Weltgeschichte« (336 Seiten) hat bei dtv seit 2012 bereits die vierte Auflage erreicht. Zu Recht. Ein Buch zum mehrfachen Vertiefen. Faszinierend finde ich beispielsweise – wie auch bei den anderen Kapiteln – nicht nur das bekannte Gemälde »Das trojanische Pferd« des deutschen Malers Lovis Corinth (1858-1925), sondern auch den genauen Kommentar von Hesse zum Bild, mit dem er die Einzelheiten im Gemälde und die Geschichte um das trojanische Pferd aufblättert. Er bringt den Zusammenhang auf einen entscheidenden Punkt, gerade auch für heutige Bilder und Geschichten: »Geschichte besteht zu einem wesentlichen Teil auch aus Geschichten, die zu Mythen werden, weil sie starke Bilder hervorrufen und weil Menschen aus ihnen Beispielhaftes und ewig Gültiges herauslesen.« Der Trojanische Krieg, zwischen 1334 und 1135 vor Christus datiert, war offensichtlich ein brutaler Krieg, sodass ein wahrer historischer Kern in der griechischen und römischen Mythologie auch in den Kriegen der Gegenwart erkennbar wird. Das Gemälde »Kleopatra« des britischen Malers John William Waterhouse zeigt ein »vieldeutiges Bild von Kleopatra« und erinnert mich durch Cäsars Krieg gegen Ägypten, um es »seinem Herrschaftsbereich einzuverleiben«, an den brutalen Krieg Wladimir Putins gegen die Ukraine. Es sind selten anheimelnde Bilder, meist fassen sie historische Ereignisse ins Bild, die mit dem Ergebnis oder der Vorgeschichte von Gewalt zu tun haben. Für mich passen sie in unsere Zeit, die auf Gewalt zuläuft oder den Gewaltexzessen hinterherläuft. Auf seltsame Weise sind sie mir – vielleicht, weil es Gemälde sind und keine Fotos und keine »breaking news« – zugleich nah und doch so fern. Jedem Gemälde ist eine Seite vorbehalten, der drei Seiten erhellenden Kommentars von Hesse folgen. So auch bei dem Bild des deutschen Malers George Grosz (1893-1959), der vom Dadaismus herkommend eine Collage über »Die Stützen der Gesellschaft« um 1926 geschaffen hat. »Kein Historienbild«, aber ein Sittengemälde, das zugleich die »Kunst als Waffe« und die Gefahr der extremen Rechten gegen die junge Demokratie dokumentiert. Hundert Jahre später spricht das Bild Bände auch über unsere Zeit.
Norbert Copray ist geschäftsführender Direktor der Fairness-Stiftung. Er leitet seit 1977 das Rezensionswesen von Publik-Forum.




