Glaubwürdig …
»Gute« Liebe – »schlechte« Liebe
Vor einigen Jahren habe ich die Beziehung zu einer langjährigen Freundin abgebrochen. Ein seltener Vorgang in meinem Leben. Treue – ein altmodischer Begriff – ist mir ein hohes Gut. In all meinen Beziehungen. Kennengelernt habe ich sie während meines vierjährigen Aufenthalts in einem Versöhnungsprojekt in Israel. Damals war ich 30 und sie 20 Jahre. Ich mochte sie auf Anhieb: jung, klug, künstlerisch begabt. Gerade erst aus der DDR »entlassen«, probte sie den Widerspruch. Sie war aufsässig und unangepasst. Ein Freigeist. Ich fand das klasse. Später schloss sie sich einer Freikirche an. Das fand ich weniger klasse. Für mich fühlte sich das an, als habe sie gerade die politische gegen eine religiöse Diktatur eingetauscht. Aber wer war ich, diese Entscheidung infrage zu stellen? Dann aber wurde es persönlich. Sie prangerte meine Beziehung an. Meine Liebe zu einer Transfrau. Das von Gott gegebene Geschlecht nicht akzeptieren? Unmöglich! Als Frau mit einer Frau leben? Völlig unmöglich! Ihre Abneigung ließ sie meine Partnerin spüren und meine Argumente an sich abprallen. Ich akzeptiere in einer Freundschaft vieles. Aber Menschen schlecht behandeln, die ich liebe? Einen Menschen ablehnen, weil er anders lebt und liebt? Völlig unmöglich! Seitdem ist unsere Freundschaft Geschichte.
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Annette Lübbers, geboren 1962, arbeitet seit 18 Jahren als freie Journalistin und Buchautorin. Besonders gerne schreibt sie biografische Texte über Menschen, die nicht im Fluss des Mainstreams, sondern mit ihrem eigenen Lebensstrom schwimmen. Aufgewachsen im Ruhrgebiet, lebt sie heute in einem kleinen Dorf im Sauerland. Sie liebt die Natur und Tiere, ganz besonders die Wüsten der Welt und ihren kleinen Golden-Retriever-Mix. Das Reisen in ferne Länder hat sie – ihrem Hund und ihrem Gewissen zuliebe – mittlerweile aufgegeben.

