Zur mobilen Webseite zurückkehren

Armenische Gäste

Nach Monaten der Flucht standen sie 1917 zu Tausenden vor dem Konvent in Jerusalem – ohne Geld, ausgehungert, krank und verwundet
von Silke Fries vom 26.01.2023
Artikel vorlesen lassen

Nicht weit vom Jaffator, im Ostteil Jerusalems, lag das Ziel der Flüchtlinge. Ausgezehrte Menschen kamen nach oft monatelangen Fußmärschen, einzeln oder in Gruppen, und klopften an ein dunkles Portal, über dem auf französisch und in geschwungener armenischer Schrift steht, was sich dahinter verbirgt: der armenische Konvent von Jerusalem. Der Sitz des Armenisch Apostolischen Patriarchen der Heiligen Stadt. Ursprünglich nur für Priester und Pilger gedacht, öffneten die Mönche ihr abgeschiedenes Klosterleben für ihre Landsleute. »Das war kein einfacher Entschluss für den Patriarchen«, sagt der Mönch Koryoun Baghdasaryan, »denn auch hier in Jerusalem waren die Folgen des Ersten Weltkriegs zu spüren. Eigentlich gab es nicht genug Geld, um sich um zehntausend Flüchtlinge zu kümmern. Das Budget war ausgelegt, um den täglichen Bedarf der Priester zu decken. Aber das Patriarchat sah es als Mission an, die armenischen Landsleute zu ernähren.« Es war aber mehr als eine moralische Pflicht, kaum jemand sonst nahm sich der Menschen an, die den Mord an den Armeniern nach 1915 im Osmanischen Reich überlebt hatten. Vater Koryoun spricht ruhig, offensichtlich hat der Vierzigjährige schon oft die Geschichte erzählt. Der Mönch trägt eine schwarze Kopfbedeckung und ein bodenlanges schwarzes Gewand; er hat Platz genommen auf dem grünen Sofa in der Wohnung von Anoush Nakashian. Sie ist die Enkelin von Armeniern, deren Rettung der Konvent war. Die Überlebenden der Familie ihres Vaters kamen aus Van, die ihrer Mutter aus Sebastia.

  Gedruckt + Digital  
  Digital  

Hören Sie diesen Artikel weiter mit P F plus:

4 Wochen freier Zugang zu allen P F plus Artikeln inklusive ihh Payper.

Jetzt für 1,00 Euro testen!

Publik-Forum
Publik-Forum
Einen Moment bitte...
0:000:00
1.0